Full text : Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

20

Gewinn  als  Unternehmer,  der  sogenannte  Unternehmergewinn,  teilte
sich  in  Arbeitslohn  und  Kapitalgewinn«.  Auf  Seite  290:  «Gewinn  an
und  für  sich  möchten  wir  den  Bruttoertrag  des  Kapitals,  Zins  den
Nettoertrag  nennen;  Zins  nämlich  den  Gewinn  desjenigen  Kapitals,
welches  gar  keine  Gefahr  läuft;  Gewinn  aber  den  Ertrag  eines
solchen  Kapitals,  welches  größerem  oder  geringerem  Risiko  ausgesetzt ­
  ist  und  also  in  seiner  produktiven  Anwendung  eine  Versicherungsprämie ­
  ab  werfen  muss.«  Wir  sehen,  dass  er  die  Careyscheii  Gedanken ­
  mit  der  Rauschen  Theorie  in  Verbindung  bringt,  welch  letzterer
in  dem  »Gewerbsverdienst«  ebenfalls  einen  Bruttoertrag  sieht,  wie
Wirth  im  «Gewinn«,  unter  welchem  dieser  (in  ganz  anderem  Sinne
wie  Carey)  hier  wirklich  den  Unternehmergewinn  meint.  Er  ist
ganz  aus  der  exakten  Forschungsrichtung  seines  großen  Vorbildes
in  die  empirischen  Erwägungen  der  deutschen  Schule  gedrängt.
Nachdem  durch  Carey  die  Theorie  über  den  «Gewinn«  eine  so
weise,  so  geniale  Beschränkung  erfahren  hat,  sehen  wir  den  Hang  zu
einer  übermächtigen  Erbreiterung  schon  in  der  Lehre  Mangoldts,  und
reihen  hier  noch  die  Theorie  des  Prof.  Mikszewicz')  an,  welcher
den  Kredit,  nicht  etwa  in  der  bedingungsweisen  Art  wie  Say,  der
nur  durch  die  Notwendigkeit  ein  Unternehmerkapital  zu  finden  auf
denselben  hindeutet,  sondern  neben  Natur,  Arbeit  und  Kapital  als
vierten  Produktionsfaktor  nennt!;  «der  Kredit«,  meint  er,  «sei  ebenso
aus  den  drei  älteren  hervorgegangen,  wie  das  Kapital  aus  den  beiden
ältesten«.  «Den  Unternebmergewinn  fasst  er  dann  als  den  Ertrag
dieses  vierten  Produktionsfaktors,  entsprechend  Grundrente,  Arbeitslohn ­
  und  Kapitalzins.«
Das,  was  Roscherwollte:  «ein  System  von  Begriffen  und
Urteilen  möglichst  abstrakt,  d.  h.  möglichst  entkleidet  von  allen
Zufälligkeiten  des  Raumes  und  der  Zeit«  schaffen,  und  was  ihm
jedoch  weder  im  ganzen  und  großen  noch  in  Bezug  auf  unser
Thema  gelungen  ist,  das  hat  Stein  gethan.  Er  ist  der  Philosoph
par  excellence  unter  den  Natioualökonomen  —  durch  die  That,
praktisch,  durch  Darlegung  seiner  Volkswirtschaftslehre  —  und
zwar  in  gutem  und  schlimmen  Sinne.
Stein  schreibt  über  das  Unternehmen  in  dem  Kapitel  »Güterund ­
  Wertbildung«  (§.  296):  «Seinem  allgemeinen  Begriffe  nach  ist
*)  Siehe:  Roscher,  »Grundlagen  der  Nationalökonomie“.  Kapitel:  »Unternehmerlohn.“ ­

’)  Siehe:  Grundlagen  der  Nationalökonomie.  Einleitung.
*)  Volkswirtschaftslehre  (Wien  1878).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.