Full text : Die Sonneberger Spielwaaren-Hausindustrie und ihr Handel

direkten  Leistungen  der  deutschen  Volks-  und  höheren  Schulen  hinweg
unbefangen  auf  deren  Wirkung  im  praktischen  Leben  schauen.
Geklagt  sei  hier  nur,  welcher  Schaden  dem  deutschen  Reiche  erwächst
ans  dem  Mangel  an  Kenntniß  seiner  Weltindustriezweige,  welche
den  bildenden  Künsten  und  nicht  den  Wissenschaften  Unterthan
sind,  in  deren  Früchte,  einzig  ihrer  Art,  alle  Länder  der  Welt  sich  theilen
und  für  welche  sie  Millionen  an  Deutschland  zahlen,  obschon  sie  mehr  dem
Luxus  als  zum  Gebrauche  dienen.
Nur  falschen  Anschauungen  konnten  jene  staatssozialistischen  und  staatspolitischen ­
  Prinzipien  entspringen,  die,  in  den  Organismus  des  praktischen
Erwerbs-  und  Verkehrslebens  eingeführt,  geeignet  sind,  nicht  blos  die  weltberühmte ­
  deutsche  Arbeitskraft  und  Energie  zu  schwächen,  sondern  die
natürlichen  Existenzbedingungen  ganzer  Arbeitergruppen  zu  zerstören,  welche
statt  Schutz  der  nationalen,  individuellen,  vorwiegend
geistigen  Arbeit  zu  gewähren  und  den  Aktivhandel  zu  heben,
beide  schädigen  durch  den  Schutz  —  der  neuen  Zollpolitik  —  der,  wie
zu  erwarten  war,  Interessen-Koalitionen  hervorrufen  mußte,  sobald
Deutschland  sich  anschickte,  auf  Kosten  anderer  Nationen  sich  zu  bereichern.
„Dieses  naturgesetzwidrige  Eingreifen  des  Staates  in  den  alle  Völkerinteressen ­
  ausgleichenden  Handelsverkehr,  die  Vermessenheit,  die  göttliche
Gerechtigkeit  nachahmen  zu  dürfen,  einer  Nation  geben,  der  anderen  nehmen
zu  können,"*)  büßen  jetzt  die  Kerntruppen  des  deutschen  Arbeitervolkes,  welche
keinen  Schutzzollbrauchen,  und  durch  die  Originalität  ihrer  individuellen
Produkte  überwiegend  geistiger  Art  alle  Völker  sich  tributpflichtig
gemacht  haben,  ohne  Schutzzoll  bedurft  zu  haben.  So  muß  z.  B.
die  deutsche  Spielwaaren-Jndustrie  zuschauen,  wie  als  Abnehmer
ihrer  Früchte  ein  Land  nach  dem  anderen  abfällt:  Oesterreich,  Rußland, ­
  Schweden,  Dänemark,  Frankreich.  Diese  Länder  haben  als
Retorsion  ihre  Eingangszölle  so  bedeutend  erhöht,  daß  demnächst ­
  nur  noch  geringste  Quantitäten  Spielwaaren  dahin
ausgeführt  werden  können.
Wir  müssen  dahin  gestellt  sein  lassen,  ob  Deutschland  als  Culturmacht
vom  Ausland  höher  angesehen  ist  wegen  der  Productivität  in  den  Wissenschaften ­
  und  Künsten  und  der  Art  und  Weise  ihrer  Pflege  oder  wegen  der
physisch  und  geistig  schaffenden  Urkraft  seines  erwerbthätigen  Volkes.  Aber

*)  Siehe  die  Anmerkung  auf  Seite  5.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.