Full text : Die Sonneberger Spielwaaren-Hausindustrie und ihr Handel

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bestens  zwei  volle  halbe  Tage  in  der  Woche  zur  Freiheit  oder  zum  Zeichen-Unterricht
  —  und  mit  Freude,  weil  mit  Muße,  genossen  sie  auch  letzteren.
Anders  schon  gestalteten  sich  die  Verhältnisse  der  Pflege  des  Zeichenund
  Modellir-Unterrichts  in  Sonneberg,  als  Se.  Hoheit  der  regierende  Herzog
Georg  zu  Sachsen-Meiningen  mit  bekanntem  lebhaften  Interesse  für  Kunst
und  Kunstindustrie  und  fürstlicher  Munifizenz  zugleich,  schon  als  Erbprinz
bedeutende  Summen  nach  Sonneberg  verwendete  für  Gründung  eines  kleinen,
aber  werthvollen  Museums  gediegener  plastischer  Modelle  und  kostbarer  Bildwerke, ­
  für  jahrelange  Unterhaltung  einer  Modellir-Kunstschule*)  und  zur
Errichtung  einer  Holzbildhauerschule.**)  Aber  die  niederen  und  mittleren
Klassen  der  Oberländer  Industrie,  denen  jene  Bildungsstätten  und  Mittel
zu  Statten  kommen  sollten,  schlugen  die  Gelegenheit  aus,  ihren  Jünglingen
eine  technisch  -  künstlerische  Ausbildung  geben  zu  lassen,  trotzdem  sie  äußerst
billig  und  für  Arme  kostenlos  war.
Wie  damals,  so  heute  noch  und  zwar  nicht  allein  hier,  sondern  überall
rechnen  die  selbstständigen  Gewerbetreibenden  die  Geschäftszeit  als
Geld  es  werth.  Als  Eltern  verlangen  sie,  daß  ihre  Söhne  alsbald  nach
der  Entlassung  aus  der  Volks-  oder  Bürgerschule  in  praktische  Lehre  treten
oder  in  Fabriken  ihren  Lebensunterhalt  verdienen,  und  als  Arbeitgeber
weigern  sie  sich,  von  der  Geschäftszeit  ihren  Zöglingen  die  Stunden  zu  opfern,
welche  man  zu  deren  weiteren  theoretischen  Ausbildung  beansprucht.  Sie
verlangen  nicht  unbillig  einen  Abschnitt  zwischen  obligatorischem  theoretischen ­
  Unterricht  und  praktischer  Lehre.  Denn  mit  demselben  Rechte,  wie
der  Theoretiker  dem  Gewerbsmann  sagt:  „Dein  Junge  hat  in  der  Schule
noch  nicht  genügend  gelernt,  er  muß  weiter  lernen,"  kann  auch  der  Praktiker
fragen:  „Warum  hat  die  Schule  im  Laufe  von  acht  Jahren  dem  Jungen
nicht  genügend  gelehrt  und  warum  hat  sie  ihm  Lehrstoffe  geboten,  die  er
zum  praktischen  Leben  nicht  braucht,  um  derenwillen  er  jetzt  nachholen  soll,
was  an  ihm  versäumt  worden  ist?"  —  Bewahrheitet  sich  doch  das  pädagogische ­
  Wort:  „was  Hänschen  in  der  Schule  nicht  lernt,  Hans  nimmermehr
lernt,"  wenn  er  als  Lehrling  tagsüber  praktisch  arbeiten  mußte,  ermüdet
des  Abends  der  Ruhe  bedarf.
Und  in  der  That,  weil  die  Fortbildungsschulen  obligatorisch  sind
*)  Aus  der  die  bekannten  Terracotta  Götter-  und  Heldenfiguren  aus  der  Odyssee
und  antike  Gefäße  (von  Prof.  A.  Schmidt)  hervorgingen.
**)  Durch  den  tyroler  Holzbildhauer  Klotz.
            
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