Die Nährpflanzen und die Haustiere. —137
oor allem die, welche wegen mangelnder Durchschnittswärme auch in mittleren Klimaten
nicht überall vorkommen, wie Tabak und Wein, feinere Gemüse- und Obstarten; in den
Pfälzer Weinbaudistrikten steigt die Bevölkerung auf 15000 Menschen pro Quadratmeile.
Für die füdlicheren Gegenden handelt es sich um die Gewürzpflanzen, dann um Thee,
Kaffee, Zuckerrohr, welche den Gegenden, wo sie, und zumal in besonderer Güte, gedeihen,
einen großen wirtschaftlichen Vorsprung verleihen.
Wenn auch keinen so großen Einfluß wie die Pflanzen, so üben doch auch die
Tiere einen solchen auf die Volkswirtschaft aus. Die wilden Tiere haben durch den
Kampf mit ihnen die Menschen zu Kraft und Energie, auch die jagdbaren haben durch
ihre Verfolgung bestimmte Raffen und Völker ebenso zur Anstrengung und Abhärtung,
zu Schlauheit und scharfen Sinnen erzogen. Fast überall war und ist die Ernährung
des Menschen mehr oder weniger von der Tierwelt abhängig; die Meere und Flüsse
haben durch ihren Reichtum an Fischen und Schaltieren in dem Leben vieler Völker
eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Neben dem Fleische, dem Blute, der Milch der
Tiere hat die Benutzung der Knochen zu Geräten, der Wolle und Häute, sowie der
Pelze zur Bekleidung stets große Bedeutung gehabt. So hat naturgemäß das ursprüng—
liche Vorkommen oder Fehlen der einzelnen Tierarten, das sich im ganzen auch nach
Klima, Wärme, Pflanzenwelt, Wasser und Bodenverhältnissen richtet, überall die wirt—
ichaftliche Entwickelung mit bestimmt. Australiens weites Zurückbleiben hinter den
anderen Erdteilen hing mit seiner kümmerlichen, aus der Tertiärzeit stammenden Tierwelt
ebenso zusammen, wie die älteren amerikanischen Zustände mit der Thatsache, daß Rind,
Pferd, Kamel und Schaf den Eingeborenen fehlten, daß sie als gezähmte Arbeitstiere
nur Hund und Lama besaßen, nirgends zur Milchwirtschaft, zum Ackerbau mit Rind—
vieh, zu nomadischer oder halbnomadischer Lebensweise kamen. Noch heute sind die ost—
asiatischen und afrikanischen Gebiete, welche spät unsere Haustiere kennen lernten, seit
Jahriausenden eine Landwirtschaft ohne oder fast ohne fie trieben, wesentlich dadurch
wirtschaftlich armer geblieben. Im übrigen aber hat gerade die kleine Zahl von Tieren,
die der Mensch zähmen, zu Lasttieren, zum Reiten, zum Pflügen erziehen lernte, die er
als Hauptfleisch- und Milchtiere benutzte, eine sehr weitgehende Acclimatisation erfahren.
Finzelne wie Hund, Schwein, Huhn, Kaninchen kommen heute fast überall vor; auch
Rind, Pferd, Esel und Schaf sind sehr weit verbreitet. Wir sehen so, daß Drude recht
hat, wenn er sagt, die geographische Verbreitung der Tiere gehe im ganzen der der
pflanzen parallel, aber sei doch etwas unabhängiger und leichter. Es ist ein analoger
Gedanke, den A. v. Humboldt im Kosmos ausspricht, wenn er sagt, der Mensch sei in
minderem Grade als Pflanzen und Tiere von der Natur abhängig; er entgehe leichter
als fie den Naturgewalten durch Geistesthätigkeit und stufenweise erhöhte Intelligenz wie
durch eine wunderbare, sich allen Klimaten anpassende Biegsamkeit des Organismus.
57. Allgemeine Ergebnisse. Wollen wir kurz versuchen, die Summe dessen
zu ziehen, was wir über den Zusammenhang der Volkswirtschaft mit der äußeren Natur
wissen, so weisen wir mit Sicherheit heute die extremen Anschauungen zurück, die auf
der einen Seite idealistisch den Einfluß der Natur ganz oder fast ganz negieren, auf der
anderen realistisch alle wirtschaftliche und sonstige Kultur auf Boden und Klima allein
zurückführen wollen. Den ersteren Standpunkt vertrat, freilich mehr in Bezug auf
nenschliche Eigenschaften als auf die Volkswirtschaft, Hume; ihm folgte z. B. Th. Waitz
Anthropologie der Naturvölker) in gewissem Sinne, wenn er gegenüber den ausschlag—
gebenden historischen Ursachen der Civilisation die Naturverhältnisse etwas geringschätzig
Ils Gelegenheitsursachen bezeichnete; in mancher Beziehung auch Peschel in seiner Polemik
gegen Ritter; ebenso übertreiben die Nationalökonomen, welche bei der Erklärung des
Reichtums von Holland oder England nuxr betonen, wie hier durch geistige Kräfte allein
die Kargheit der Natur überwunden sei. Ahnlich wollten alle die wirtschafts⸗ und kultur⸗
geschichtlichen Erinnerungen, daß zu verschiedenen Zeiten, in der Hand verschiedener Rassen
und Völker dieselbe Natur, dasselbe Land bald wirtschaftliche Verkümmerung und Not,
bald höchsten Wohlstand und Civilisation gezeigt, wollte der Hinweis, dessen sich schon
Hume bedient, daß oft in demselben Lande, unter denselben Naturverhältnissen einzelne