8 24. Die Nachfrage nach Kapitaldisposition. “97
Kosten absehen, besteht also ein bestimmter Zusammenhang zwischen den Preisen
des Waldes am Anfang und am Ende der Periode und dem Zinsfuß. Der erste Preis
hat seinen Bestimmungsgrund in den Produktionskosten, der zweite in der Nach-
frage, und diese beiden Bestimmungsgründe werden miteinander durch den Zins ver-
bunden. Die Produktion erfordert eine ganz bestimmte Kapitaldisposition, stellt
einen bestimmten Anspruch auf dem Kapitalmarkt und übt also einen bestimmten
Einfluß auf den Zinsfuß aus. Anders stellt sich die Sache in bezug auf die Natur-
wälder, wo überhaupt keine Produktionskosten in Betracht kommen. Da fällt dieser
Bestimmungsgrund des Preises am Anfang der Periode weg. Es ist dann möglich,
daß dieser Preis überhaupt keinen selbständigen Bestimmungsgrund hat, sondern
lediglich den mit Rücksicht auf den geltenden Zinsfuß diskontierten Wert des Preises
am Ende der Periode darstellt. In diesem Falle übt also die erforderliche Kapital-
disposition keinen Einfluß auf den Zinsfuß aus, sondern wird von demselben be-
stimmt. Es ist aber andererseits auch möglich, daß der Wald schon am Anfang der
Periode einen gewissen Preis für unmittelbare Abtreibung hat. Ist dieser Preis
niedriger als der diskontierte Wert des zukünftigen Verkaufspreises, hat er keine
Bedeutung für die Preisbildung und der Fall unterscheidet sich nicht vom eben ge-
dachten. Ist der Preis höher, muß der Wald abgetrieben werden. Dadurch verschärft
sich die Knappheit der älteren Bestände und der Preis derselben steigt möglicher-
weise so weit, daß Wald in gewissem Umfange zum Auswachsen in größeren Dimen-
sionen geschont werden kann. Wenn dies geschieht, besteht wieder der normale Zu-
sammenhang zwischen den Anfangs- und Endpreisen und dem Zinsfuß. Der Anfangs-
preis hat in diesem Falle einen selbständigen Bestimmungsgrund zwar nicht in den
Produktionskosten, wohl aber statt dessen in der Nachfrage nach den Dimensionen,
die zu diesem Zeitpunkt geliefert werden können. Der Endpreis hat ebenfalls seinen
selbständigen Bestimmungsgrund, nämlich in der Nachfrage nach den gröberen
Dimensionen. Das Auswachsen des Waldes erfordert also eine bestimmte Kapital-
disposition, und die hierin gegründete Nachfrage nach Kapitaldisposition hat einen
bestimmten Einfluß auf den Zinsfuß. Der Anfangspreis ist folglich nicht lediglich
der nach einem gegebenen Zinsfuß diskontierte Wert des Endpreises. Wie man aus
diesem Beispiel erkennt, hängt die Stellung des Zinses in der Preisbildung in allen
ähnlichen Fällen davon ab, ob der Anfangspreis einen selbständigen Bestimmungs-
grund hat oder nicht.
Wenn die Aufgabe des Wartens in der gleichmäßigen Verteilung eines einmal
vorhandenen Vorrats auf eine gegebene Konsumtionsperiode liegt, wie dies z. B. in
bezug auf die Weizenernte der Fall ist, sind Anfangs- und Endpreise durch die Be-
dingung miteinander verbunden, daß die Verzinsung des Anfangspreises (einschließ-
lich der Aufbewahrungskosten) durch den Endpreis gedeckt werden soll. Im übrigen
haben aber die genannten Preise auch ihre selbständigen Bestimmungsgründe in der
Nachfrage und der gegebenen Gesamtmenge der Ernte. Der Preis, der im August
für denjenigen Weizen, der im Januar verbraucht wird, bezahlt wird, ist nicht ledig-
lich der diskontierte Wert des Januarpreises, sondern muß mit dem Preise des für
unmittelbaren Verbrauch verkauften Weizens übereinstimmen. Der Zusammenhang
zwischen den verschiedenen Faktoren dieser Preisbildung ist folgender: Denkt man
sich vorläufig den Preis zur Zeit der Ernte Po als gegeben, ist auch der Preis pP zu
jeder Zeit des folgenden Jahres bestimmt, sobald der Zinsfuß bestimmt ist. Dann
ist aber auch die Konsumtion zu jeder Zeit bestimmt und folglich auch die Gesamt-
konsumtion des Jahres. Da diese mit der Ernte übereinstimmen muß, hat man eine
Gleichung zwischen Anfangspreis und Zinsfuß. Sobald der Zinsfuß gegeben ist, sind
also sowohl der Anfangspreis wie der Preis zu einer beliebigen Zeit im folgenden
Jahre bestimmt.
Die kontinuierliche Versorgung der. Konsumtion mit Weizen während .des
es
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