fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
darin bestehen, den Wert „herzustellen“, ihn mit der in den Gegenständen 
enthaltenen Arbeitsmenge in Übereinstimmung zu bringen 1 ). Dies ist 
aber das Werk der Zukunft und nicht der Gegenwart 2 ). Welche Schluß 
folgerung soll man nun hieraus ziehen? Wenn es auf der einen Seite wahr 
ist, daß allein der Arbeiter alle Erzeugnisse schafft, und wenn auf der 
anderen Seite, auf Grund des Austausches, die Boden- und Kapitalien 
besitzer allein infolge der Tatsache ihres Besitzes, und ohne an der Pro 
duktion unmittelbaren Anteil zu haben, unter der Form von Zinsen oder 
Pacht einen Teil dieser Erzeugnisse erhalten, so ist offenbar die Formel 
der Gerechtigkeit in der Verteilung verletzt. Diese Entwendung von Pro 
dukten zugunsten der Nichtproduzierenden und zum Schaden der Ar 
beitenden geschieht übrigens ohne jede effektive Gewalttätigkeit, ganz 
einfach durch das Spiel des Freihandels und unter der Herrschaft des 
Privateigentums. Seine einzige Ursache liegt darin, daß in unserem so 
zialen System „andere wie die Produzenten selbst, nämlich die bloßen I 
Privatbesitzer von Boden und Kapital, als bei der Produktion beteiligt 
und deshalb zu einem Anteil am Nationaleinkommen berechtigt anzu 
sehen sind“ 3 ). 
Hiermit wird also das doppelte Gesicht der Verteilung enthüllt: 
wirtschaftlich überliefert der Tausch dem Kapital, dem Boden und 
der Arbeit einen Teil des Produktes, der mit dem Wert übereinstimmt, 
zu dem ihre Dienste auf dem Markt eingeschätzt werden; sozial gestattet 
er, daß den einzigen Schöpfern des Produktes, den Arbeitern, ein Teil 
dieses Produktes genommen wird, ein Teil, der das darstellt, was R° D ' 
bertus mit einem einzigen Wort „die Rente“ nennt, unter welchem Wort 
er das Einkommen der Großgrundbesitzer und der Kapitalisten zU ' 
sammenfaßt. 
Kein anderer Volks Wirtschaftler hat mit solcher Klarheit diese beiden 
7. Januar 1872, Bf. Nr. 70, S. 160), verweist er ihn auf die Beweisführung, die er g e 
geben hat, „daß sich im heutigen Verkehr die Güter nicht nach Arbeit vertausche 
und (des Kapitals wegen) vertauschen können,“ und er fügt bezeichnenderweise hinz 
„was sich seinerzeit einmal gegen Marx gebrauchen läßt“. 
J ) „So ist auch die Kongruenz des Tauschwertes der Produkte mit den Arbe'ts- 
quanten, die sie gekostet, keine Tatsache, sondern die großartigste staatswirtschafthe 1 
Idee, die je ihre Verwirklichung angestrebt hat.“ (Zweiter sozialer Brie •> 
Kapital, Bd. II, S. 68—69). . 
*) Hin und wieder gibt Rodbertus als Hypothese und zum Nachweis gewisse 
Beweisführungen einer Tendenz der Preise zu, schon heute mit den Arbeitskosten ü c 
einzustimmen; aber seine Grundlehre braucht diese Hypothese nicht, die bei ihn 1 n 
eine augenblickliche Hilfsrolle spielt. In seiner (übrigens völlig irrtümlichen) Thp 31 
der Teilung des Einkommens ohne Arbeit zwischen Grundeigentümern und Kapitales 
gibt ergänz vorübergehend in dem Dritten sozialen Briefe (Schriften, Bd.II, »• 
zu: „daß der Tauschwert jedes fertigen Produktes, wie eines jeden Teiles 1 
Produktes gleich seinem Wert an Arbeit ist“, (nach dem franz. Text, Anm. des Ube •)• 
3 ) Kapital, S. 119.
	        
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