Object: Nationalökonomie (Teil 1)

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siebziger Jahre in großer Zahl gegründeten Industrie- oder Gewerbe- 
vanken mit rein spekulativem Charakter gegenwärtig keine hohe Be- 
deutung mehr in Deutschland besitzen. Es ist dieses mehr Privat- 
unternehmungen, d. h. Bankiers vorbehalten, die durch die erwähnte 
Verbindung der Bank- und Börsengeschäfte „Credits mobiliers“ im 
Kleinen repräsentieren. Nach dem früher Gesagten kann es keinem 
Zweifel unterliegen, daß diese Verbindung ihre außerordentlichen Ge- 
fahren in sich schließt und doppelt in einem Lande, wo der Depositen- 
verkehr im ganzen noch sehr schwach entwickelt ist, und Verluste 
Jurch den Zusammenbruch einer solchen Spekulationsbank das Publi- 
kum wiederum mißtrauisch machen und vom Bankverkehr zurück- 
schrecken müssen. Unzweifelhaft ist eine Scheidung und ausgedehnte 
Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen Banken weit wünschens- 
werter als diese Verbindung. Auf der einen Seite die großen Noten- 
banken, die sich auf den Giroverkehr und das Diskontogeschäft be- 
schränken, wie das bei der deutschen Reichsbank und den anderen in 
Betracht kommenden Zentralbanken der Fall ist. Daneben stehen be- 
sondere Depositenbanken, die den Schwerpunkt ihrer ganzen Thätigkeit 
darin sehen, von einem großen Kundenkreis Depositeneinlagen heranzu- 
ziehen, und diese wiederum in demselben Kreise durch Erteilung von 
Darlehen an die Kunden zur Verteilung zu bringen, wie dieses bei den 
Schultze-Delitzschschen Volksbanken, den Schweizerischen Spar- und 
Leihkassen, dann bei einer großen Zahl von Aktienbanken und 
Bankiers in England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika 
der Fall ist. Sie sind es, welche in Deutschland vor allem eine immer 
größere Ausdehnung verdienen. Daneben sind die großen Effekten- 
banken oder KEmissionsbanken nicht zu entbehren, die zugleich 
Gründungen mit ihren reichen Mitteln im In- und Auslande unter- 
stützen und dadurch außerordentlichen Nutzen stiften können, und es 
ist jedenfalls ein gesunder Zustand, daß eine Anzahl solcher Unter- 
nehmungen vorhanden ist, die sich Konkurrenz machen, und deren 
Thätigkeit durch öffentliche Berichterstattung allgemein kontrolliert 
werden kann, als wenn allein ein großes Bankhaus, wie Rothschild. 
unbedingt dominiert. 
Zur Gründung eines großen Aktienunternehmens sind eine Menge 
Vorbedingungen erforderlich: vor allen Dingen 1. Intelligenz und Um- 
sicht, um zu erkennen, wo eine Gründung am Platze und wie sie in 
Angriff zu nehmen ist; 2. technische Kräfte, um den Voranschlag 
anzufertigen und das Projekt selbst zu entwerfen; Architekten, wenn 
es sich darum handelt, ein neues Arbeiter- oder Villenviertel ins Leben 
zu rufen ete. 3. Geld, schon zur Deckung dieser Vorarbeiten und zur 
Sicherung der Gründung selbst, um die Aktien zu übernehmen, die im 
Momente von anderer Seite nicht gezeichnet werden. 4. Ein bei dem 
Publikum in Ansehen stehender Name, um dadurch bei demselben 
von vornherein Vertrauen zu dem Unternehmen zu erwecken und es 
damit zum Ankauf der Aktien zu bewegen. All dies vereinigen aller- 
dings die großen „Credits mobiliers“ in ihrer Hand und können da- 
durch den Unternehmungsgeist in außerordentlicher Weise fördern. 
Dagegen liegt für sie die Gefahr vor, daß bei den großen 
Schwankungen, welche in dem wirtschaftlichen Leben fortdauernd ein- 
treten, nicht nur einzelne Jahre, sondern längere Perioden vorkommen, 
wie Ende der siebziger, Mitte der achtziger, Anfang der neunziger 
Jahre. wo das Geschäftsleben in hohem Maße darniederlieet und es 
Vorbedin- 
gung der 
Gründung 
ron Aktien- 
gesell- 
schaften.
	        
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