Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I. Buch. Production lind Consumtion. 
dem Gebiete der Technik ist aber in diesem Falle ein Schauspiel, von dein 
wir uns voller Ekel abwenden. 
Man darf deshalb, weil die Arbeitsorganisation außer stände ist, allen 
Uebelständen des materiellen Lebens abzuhelfen, und weil die in ihrem Gefolge 
auftretenden Uebelstande 1 nicht zu unterschätzen sind, die großartigen Wirkungen, 
welche die organisirte Arbeit im Gefolge hat, ja nicht aus den Augen lasten. 
Roscher (a. a. O. S. 117) charakterisirt dieselben mit den folgenden Worten: 
,Wenn man die Arbeitstheilung beschuldigt, daß sie die Ungleichheit der 
Menschen vermehre, so ist das nur insofern wahr, als wir ohne sie alle 
gleich roh und arm sein würden, da jedermann schon von seinen niedern Be 
dürfnissen ganz in Anspruch genommen wäre, und deshalb niemand seine 
Hähern Fähigkeiten recht entwickeln könnte. Selbst der Aermste hat in unserem 
Zustande der Arbeitstheilnng doch mehr zu genießen, als wenn er im un 
geselligen Zustande lebte. Die bei uns am übelsten gestellt sind, Kränkliche 
ohne Vermögen, Familienväter mit allzu vielen Kindern u. s. w., würden im 
Urwald einfach verhungern. Jene Socialisten, welche fortwährend „Association" 
predigen, übersehen die große, freie, jeden Augenblick nach Bedürfniß und 
Geschmack wechselnde Association, welche mit der Arbeitstheilung von selbst 
gegeben ist, daß also z. B. alle Kunden eines Schuhmachers zusammen eine 
Schuhassociation bilden? 
Fünftes Kapitel. 
Fortschritt in der Productionsmethode. 
Unter Fortschritt in der Productionsmethode verstehen wir Verbesserungen 
in dem bei der Production der verschiedenen Güterarten zur Anwendung 
kommenden Verfahren, d. h. also technische Veränderungen, infolge deren die 
Einträglichkeit der Production im Verhältniß zu den aufgewendeten Kosten größer 
1 Zu diesen Uebelständen ist auch die Thatsache zu rechnen, daß die Durchführung 
einer hoch entwickelten Arbeitstheilung es natürlich schwerer macht, sich einem andern 
Berufe zuzuwenden, wenn der erlernte nicht mehr einträglich ist oder weniger angenehm 
wird. Die Leute sind einerseits minder geschickt zu andern Berrichtungen, da sie nur 
in einer Art der Thätigkeit geübt sind und somit ihr ganzes Naturell sich nur schwer 
an eine neue Beschäftigung gewöhnt, weniger findig ist. Andererseits aber haben sie 
in einem neu gewählten Berufe mit lauter hoch ausgebildeten Leuten zu concurriren. 
Allerdings vermögen gewisse Völker von großer natürlicher Anstelligkeit, z. B. die 
Franzosen und die Italiener, solche Schwierigkeiten leichter zu überwinden.
	        
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