Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Konsumtion.

doch  auch  der  stätigen,  ruhigen  Arbeit  der  frühern  Jahrhunderte  unendlich
viel.  Nur  fällt  die  gewaltige  Culturarbeit  derselben  weniger  in  die  Augen,
da  sie  sich  langsam,  an  einem  Orte  in  diesem,  an  einem  andern  in  jenem
Zeitpunkte  vollzog,  nicht  stoßweise,  sondern  ähnlich  dem  Wachsthum  eines  großen
Baumes  fast  unmerklich  vorwärts  schritt.  Der  Vicomte  Georges  d'Avenel
hat  in  einer  seiner  Abhandlungen,  die  er  unter  dem  Titel  ,La  propriété
foncière  de  Philippe-Auguste  á  Napoléon  IIP  in  der  ,Revue  des  deux
mondes 41  veröffentlichte,  recht  anschaulich  auf  diesen  Entwicklungsproceß  hingewiesen. ­
  Nachdem  er  erörtert,  wie  sich  die  Grundrente  seit  hundert  Jahren
verdoppelt  hat,  obgleich  sich  die  Getreidepreise  nur  um  ein  Viertel  gesteigert
haben,  und  als  Grund  dieser  Erscheinung  die  enormen  Fortschritte  der  Landwirtschaft ­
  seit  dem  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  angeführt  hat  —  Fort-#rüte,
  mdüe  ^eut)utQße  bie  Wieweit  bet  @runbftm  in  8ranfreid)
verlassen  läge  —,  weist  er  mit  folgenden  schönen  Worten  auf  die  Arbeitsleistungen ­
  früherer  Zeiten  hin:  ,Was  sich  seit  hundert  Jahren  vollzogen,  ist
in  gleicher  Weise  auch  während  der  vorhergehenden  sieben  Jahrhunderte  vor
sich  gegangen.  Diese  Bauern,  denen  man  ihre  Routine  vorwirft,  sind  beständige ­
  Neuerer,  die  sich  genöthigt  sehen,  fortwährend  neue  Pläne  auszusinnen. ­
  Dieser  Zustand  der  Dinge  ist  so  alt  wie  unsere  Civilisation  und
weit  älter  als  die  Entwicklung  der  landwirtschaftlichen  Literatur,  welche
mit  dem  Ende  des  15.  Jahrhunderts  ihren  Anfang  nimmt;  und  wie  viel
älter  ist  er  erst  im  Vergleich  mit  den  einschlägigen  Bemühungen  der  öffentlichen ­
  Gewalten,  von  welchen  unsere  Zeiten  Zeugen  sind!  Leider  sind  diese
unaufhörlichen,  unmerklichen  Verbefferungen  von  der  Geschichte  nicht  aufgezeichnet, ­
  und  es  mangelt  an  Documenten,  welche  die  Details  der  Besiedlung, ­
  der'  Urbarmachung  und  der  Agrargesetzgebung  mit  Genauigkeit  zur  Darstellung ­
  bringen  würden. 1  2  *  4  *
Immerhin  ist  namentlich  in  einigen  Gegenden  während  des  Mittelalters,
in  mancher  Hinsicht  auch  momentan,  ein  gewaltiger  Umschwung  eingetreten.
Vtan  stelle  sich  nur  vor,  was  z.  B.  die  in  den  österreichischen  Alpen,  mit  Ausnahme ­
  der  sich  nach  Italien  öffnenden  Regionen,  erst  gegen  das  Jahr  1000
eingeführte  Düngung  für  bedeutende  Folgen  haben  mußte.
Unsere  Zeit  heischt  allerdings  infolge  der  neu  eröffneten  Zufuhr  aus
den  transoceanischen  Ländern  und  des  erleichterten  Zuströmens  der  Erzeugnisse ­
  der  osteuropäischen  Tiefländer  eine  besonders  intensive  Wirtschaft  und
1  CXVI  (mars-avril  1893),  789—814.
2  §  bezüglich  Deutschlands  H.  Herkners  interessante  Rede  bei  Eröffnung  des
Schuljahres  an  der  Polytechnischen  Schule  in  Karlsruhe  in  der  Zeitschrift  für  Bolks'
Wirtschaft,  Socialpolitik  und  Berwaltung'  (herausgegeben  durch  v.  Böhm-Bawerk)  U,
1  (Wien  1893),  S.  209—227.
            
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