Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

zählenden  Gebiete,  darüber  finden  sich  in  einem  Aufsatze  non  A.  Coste 1  die
interessantesten  Aufschlüsse.  Denselben  zufolge  belief  sich  laut  der  Enquete  des
Jahres  1881  der  Handelswerth  des  der  Landwirtschaft  dienenden  Grund  und
Bodens  auf  83^2  Milliarden  Francs,  und  dieser  Grund  und  Boden  lieferte  einen
Reinertrag  von  2  Milliarden  600  Millionen  Francs.  Man  nimmt  nun  an,
daß  seit  dem  Jahre  1881  eine  Werthverminderung  um  ein  Achtel  eingetreten
sei,  so  daß  sich  der  Berkaufswerth  des  landwirtschaftlichen  Grund  und  Bodens
gegenwärtig  auf  ca.  72  Milliarden  belaufen  würde.  Der  Verfasser  weist
nach,  daß  man  diesen  Werth  durch  systematische  und  intensive  Cultur  ans
mehr  denn  100  Milliarden  erhöhen  könnte.  Er  beleuchtet  eingehend,  wie  man
1.  den  Weinbergen  den  Werth,  den  sie  vor  dem  Auftreten  der  Phylloxera
hatten,  wiedergeben,  2.  die  Ertragsfähigkeit  des  Getreidebodens  durch  künstliche ­
  Düngungsmittel  heben.  3.  das  jedes  Jahr  brach  liegende  Siebentel  der
Aecker  nutzbar  machen  und  4.  eine  allgemeine  Verbesserung  der  Cultur  durch
eine  Verdoppelung  des  gegenwärtig  in  der  Landwirtschaft  verwendeten  Kapitals
herbeiführen  könnte.  Die  für  diese  vier  Arten  von  Verbesserungen  benöthigten
Summen,  die  er  auf  je  800  Millionen  resp.  70O  Millionen,  1900  Millionen
und  10—12  Milliarden  schätzt,  könnten  nach  Ansicht  des  Verfassers  im  Wege
der  Creditreform  und  der  Erleichterung  der  Eigenthumsübertragungen,  die  den
Grund  und  Boden  in  die  Hände  der  zu  dessen  Cultur  Geeignetsten  gelangen
lassen  würden,  beschafft  werden.
Auf  diese  Mittel  haben  wir  hier  nicht  einzugehen.  Jedenfalls  erhellt
aus  Costes  Ausführungen  so  viel,  daß  die  technischen  Umgestaltungen  auf  dem
Gebiete  der  Landwirtschaft  noch  lange  nicht  abgeschlossen  sind.
Der  durch  technische  Verbesserungen  erzielte  Gewinn  ist  selten  genau,  oft
nicht  einmal  annähernd  berechenbar.  Oftmals  ist  man  infolge  der  Complicirtheit
der  Ergebnisse,  des  Umfangs  der  verschiedenartigsten  Kosten  und  des  Gegensatzes ­
  zwischen  den  Interessen  der  verschiedenen  in  Betracht  kommenden  Personen
überhaupt  darüber  im  Zweifel,  ob  ein  Reingewinn  wirklich  vorhanden  ist,
ob  also  die  technische  Umgestaltung  überhaupt  den  Namen  einer  Verbesserung ­
  verdient.  Wenn  aber  auch  vieles  dunkel  bleibt,  so  ist  man  sich  doch
über  die  Bedeutung  der  Verbesserungen  der  Productionsmethoden  wenigstens
so  weit  klar,  daß  man  sich  weder  durch  die  Declamationen  der  Optimisten  noch
durch  diejenigen  der  Pessimisten  irreführen  läßt  und  die  Probleme  zu  erkennen ­
  vermag,  um  deren  Lösung  es  sich  handelt,  wenn  man  dieselben  auch
noch  nicht  zu  lösen  vermag.

i  L’avenir  de  la  richesse  agricole  en  France,  les  conditions  de  son  développement, ­
  im  Journal  de  la  Société  de  statistique  de  Paris  XXXIII,  part,  2  (Paris,  avrildécembre
  1892),  p.  119—145.
            
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