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Fünfter Seil. Verkehrswesen. II. Postwescn.
beherrschenden Höhe, ihre entferntesten Teile zu übersehen im stände war. „Der
Kaiser", ruft ein griechischer Schriftsteller, der Rom in der Zeit Marcus Aurels
besuchte, bewundemd aus, „leitet die ganze Welt aus seinem Kabinett. Kaum sind
seine Depeschen geschrieben, so sind sie auch schon, wie von Vögeln getragen, an ihrem
Bestimmungsort."
So überschwenglich diese Ausdrücke der Bewundcning im Zeitalter der Eisen
bahnen und Telegraphen klingen, so natürlich waren sie in jener Zeit.
Die Einrichtung der Römischen Reichspost war folgende:
Jede Hauptstraße war in Tagereisen abgeteilt, an dem Ende jeder Tagereise
befand sich eine Station (man8io, wovon das französische maison). Hier waren
öfters größere Anlagen, zum Teil mit palastartigen Gebäuden für die Nachtquarüere der
Kaiser und hohen Beamten, ausgestattet mit allen luxuriösen Bequemlichkeiten, namentlich
Bädern. Auf jede dieser Hauptstationen kamen 5—8 Amspannungsstationen (muta-
tiones); wo möglich, waren sowohl die ersteren wie die letzteren in Städte und Dörfer
verlegt. Auf jeder Amspannung stand eine Anzahl von Zugtteren bereit; die Zahl
vierzig, die einmal angegeben wird, kann man wohl nur für die ftequentesten Straßen
annehmen. Es waren Pferde, Maultiere, Ochsen, Esel, im Orient Kamele, namentlich
in Oberägypten, wo sich die Verteilung der Stationen nach den Brunnen und
Zisternen richtete.
Außer den Zugtieren befanden sich auf den Stationen überall die nötigen Wagen;
das Dienstpersonal bestand aus Staatssklaven. Der Dienst war ein dreifacher, für
Kuriere, Eilwagen und Packwagen; auf den ersteren hatte sich die ursprüngliche Ein
richtung des Augustus beschränkt, doch hatte er selbst später noch die Beförderung zu
Wagen eingerichtet. Die Kuriere hatten die Depeschen hinter sich in einem Felleisen
auf dem Pferde, das sie auf jeder Station wechselten. Das Gewicht des Felleisens
war anfangs auf 30 Pfund normiert, wurde aber, als die Sitte von Rcitsesseln
aufkam, auf einen Zentner erhöht. Gewöhnlich nahm der Kurier noch ein, zuweilen
mehrere Beipferde von der Station mit, auf dem zweiten Pferde ritt ein Postillon,
der die Pferde wieder nach der Station zurückbrachte. Die Eilwagen waren dreierlei
Art. Die größten hatten im Sommer eine Bespannung von acht, im Winter von
zehn Pferden oder Maultieren und durften bis zu zehn Zentnern belastet werden, die
mittleren bis zu sechs, die kleinsten bis zu zwei (diese waren zweispännig). Ihre
Schnelligkeit kam der der heutigen Eilwagen zieinlich gleich; denn Libanus, der Freund
des Kaisers Julian, rechnet auf den Weg von Konstantinopel bis Anüochia (150
geographische Meilen) nicht volle sechs Tage. Endlich die Lastwagen führten schwerere
Frachten (bis fünfzehn Zentner) lind hatten Ochsenbespannung. Auf Nebenstraßen und
an Punkten, wo keine regelmäßigen Posteinrichtungen bestanden, mußten die Orts
behörden eine Anzahl von Pferden disponibel haben, um außerordentliche Beförderungen
von Briefen und Personen veranlassen zu können.
Da die Post ausschließlich für Regierungszwecke bestimmt war, wurde sie in
der Regel auch ausschließlich zu Sendungen und Beförderungen von ganz offiziellem
Charakter verwandt. Die Erlaubnis zur Benutzung wurde durch eine besondere Arkunde
(diploma) erteilt, auf der die Person des Reisenden, die Art seiner Beförderung, die
Reihe der Stationen, die Dauer der Gültigkeit rc. genau verzeichnet waren. Außer
dem Kaiser konnten nur die höchsten Beamten diese Postscheine ausstellen, selbst die
Statthalter der Provinzen besaßen das Recht dazu nicht zu allen Zeiten. In der
Regel, wie gesagt, wurden sie nur Beamten, besonders Überbringern von Staats-
depeschcn erteilt, und nur in seltenen Ausnahmen Privatpersonen. Der jüngere Plinius
entschuldigt sich in einem Briefe an Trajan, daß er (als Statthalter der kleinasiatischen
Provinz Bithynien) sich erlaubt habe, seiner Frau ein Diplom für die Staatspost zu
geben, da diese den Tod ihres Großvaters erfahren hatte und schleunigst zu ihrer Tante