Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Der  Verfall  der  Ämter  im  17.  Jahrh.  u.  die  Reformbestrebungen.

gewesen  zu  sein,  da  von  den  älteren  die  der  Gerber,  der  Weber,
der  Stadtdiener,  von  den  neueren  die  der  Buchbinder  und  der  Hutmacher ­
  fehlen.
Indess  nicht  nur  die  von  dem  jungen  Meister  zu  zahlenden
Abgaben  bedurften  der  Regelung,  auch  die  dem  ganzen  Amte  als
solchen  obliegenden  finanziellen  Verpflichtungen  erheischten  drin
gend  eine  Änderung,  hier  aber  in  dem  Sinne  einer  Erhöhung,
soweit  man  urtheilen  kann.  Zur  Unterhaltung  der  Kirchen  und
Vertheidigungsanlagen  hatten  die  Ämter  stets  willig  beigesteuert,
aber  wie  es  scheint  ganz  ungleich  und  nicht  im  Einklang  mit  ihrer
Leistungsfähigkeit.  Nun  wurden  die  Beträge  festgesetzt  für  die  i
erste  Klasse  auf  8  Thlr.  jährlich,  für  die  zweite  auf  6,  für  die  dritte
auf  4,  die  vierte  auf  2  Thlr.  (Kap.  4).  Die  Gesellenschaften  aber
der  verschiedenen  Ämter  sollten  je  4  Thlr.  zur  „Kirchenordnung
und  gemeinem  Schutzwesen“  zahlen.  Nicht  genug  damit,  wurden
die  Handwerker  auch  persönlich  zum  Kriegsdienste  herangezogen
(Kap.  6).  Mit  der  unverkennbaren  Tendenz  des  Gutachtens,  den
Handwerkern  die  Ausübung  ihres  Gewerbes  zu  erleichtern,  scheint
zwar  die  Auferlegung  militärischer  Dienstleistungen  im  Widerspruch
zu  stehen.  Indess  die  Stadt  war  seit  Jahren  von  Kriegen  heimgesucht
  gewesen  und  die  Bevölkerung  daran  gewöhnt  worden  sich
selbst  zu  vertheidigen.  Abgesehen  von  der  Unzuverlässigkeit  von
Söldnern  mochten  auch  die  Mittel  fehlen  solche  Männer  in  grösserer
Anzahl  gewappnet  zu  erhalten.  Wir  haben  bereits  bei  den  Leinewebern ­
  gesehen,  wie  diese  militärische  Organisation  angeordne
war.  In  diesem  Sinne  war  auch  das  sechste  Kapitel  der  Reformation ­
  gehalten.  Jeder  Meister  sollte  für  sich,  seinen  Gesellen,
seinen  Lehrjungen  die  Musketen  anschaffen,  die  Quartierherren
darüber  Aufsicht  führen,  die  Handwerker  einexerciren  und  sich  1
üben  lassen  (dH  fvcycv  ufzug  uud  solcHiier  Schtesstäg),  jedes  Am
eine  gewisse  Anzahl  Pulvertonnen  auf  die  Pulverthürme  der  Stadt
liefern  u.  s.  w.
Für  die  auf  diese  Weise  zu  leistenden  Zahlungen  und  sonstigen
Ausgaben  konnte  das  Amt  sich  Deckung  zu  schaffen  suchen
durch:  i)  eine  monatlich  oder  vierteljährlich  zu  erhebende  Beisteuer,
2)  den  sogen.  Pfennig,  eine  ausserordentliche  je  nach  Bedürfnis
aufzuerlegende  Abgabe;  3)  die  Strafgelder,  sei  es  dass  diese  b®^
Verspätungen  zu  den  Zusammenkünften,  bei  dem  Ausbleiben  nn
Begräbnissen  oder  bei  Streitigkeiten  der  Genossen  unter  einandÇ
gefallen  waren  (Kap.  5).  Hierbei  wurde  dann  den  Ämtern  an
            
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