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Geschichte der Staatsßanßerotte.
Bei der folgenden Darstellung der einzelnen
Bankerotte werden wir nur das 19. Jahrhundert
in Betracht ziehen; in früheren Perioden war
der Zusammenbruch der Staatswirtschast weit
häufiger, und selbst in dem heute so soliden
französischen Haushalt folgte bis zu Napoleon l.
Bankerott auf Bankerott; aber diese Krisen waren
ganz anderer Natur als die modernen: noch
hatten die Staatsschulden fast gar keinen
internationalen Charakter, noch hatten sich nicht
die großen Bankinstitute entwickelt.
Erst die Verhältnisse des 19. Jahrhunderts
können für die Gegenwart zum Vergleich heran
gezogen werden. Den Reigen der Staaten er
öffnete Preußen, das die Zinszahlung für die Preußen 1806
auswärtige Schuld von 1806—11, für die
heimische von 1806—14 einstellte; wir sehen
hier schon die ungleiche Behandlung der beiden
Gruppen nach ihren Besitzverhältnissen und oie
Bevorzugung des auswärtigen Besitzes, da man
in jenen Kriegstagen in hohem Maße auf den
auswärtigen Kredit angewiesen mar; die Wir
kungen dieser Maßregel lassen sich nicht kon
statieren, da der Kurssturz der preußischen Rente
mehr durch den unglücklichen Krieg — Jena! —
veranlaßt war und die Verhältnisse der preußi
schen Volkswirtschaft infolge der feindlichen
Invasion ganz anomal waren.
Die Bankerotte in Westfalen (1812) und
Kurhessen (1814), die mit dem Zusammenbruch
der Napoleonischen Herrschaft zusammenhingen
und zu Kapitalreduktionen führten, können wir