Full text : Die Zucker-Industrie auf Cuba

Stand  halten  dürfte.  Allein  von  wissenschaftlich  botanischen  Merkmalen
abgesehen,  ist  gewiß,  daß  eine  größere  Zahl  von  Spielarten  des  Rohres
angebaut  wird,  daß  dieselben  sich  durch  äußere  Kennzeichen  unterscheiden,
daß  sie  in  verschiedenen  Gegenden  sich  verschieden  verhalten,  und  daß  ihr
Zuckergehalt  keineswegs  allerwärts  übereinstimmt.  So  wird  ein  violettes
Rosa,  saccharum  violaceum  Jus>ieu,  vielfach  in  Westindien  und  auch  in
( s iibci  angebaut.  Das  chinesische  Rohr  soll  daran  kenntlich  sein,  daß  es
größtentheils  mit  Blattscheiden  bedeckt  ist;  black  Java  hat  seinen  Namen
ohne  Zweifel  auch  von  seinem  äußeren  Ansehen.  Nach  einem  Berichte  aus
einein  botanischen  Garten  in  Nordamerika  sollen  daselbst  nicht  weniger  als
25  Arten  Rohr  gezogen  worden  sein,  alle  mit  besonderen  Namen  und
Kennzeichen  ausgerüstet.  Ohne  Zweifel  erzeugt  die  Natur,  ähnlich  iute  bei
der  Rübe,  mancherlei  Spielarten  von  mehr  oder  minder  Verschiedenheit,
Werth  und  Dauerhaftigkeit.  Genauere  Nachrichten  darüber  fehlen  bis  jetzt.
Auch  fehlt  es  au  ausreichenden  Untersuchungen  darüber,  ob  diese  Rohrarten
in  Bezug  auf  Boden,  Klima  und  Pflege  eigenthümliche  Ansprüche  machen
und  ob  sie  sich  durch  besondere  Eigenschaften  auszeichnen.  Daß  auf  Cuba
Anstalten  bestünden,  um  hierüber  sowie  sonst  über  die  Zucht  des  Rohres
Kenntniß  zu  erlangen,  ist  nicht  bekannt  geworden.  Dagegen  nässen  wir,
daß  dergleichen  Anstalten  in  den  Vereinigten  Staaten  eingerichtet  worden,
sowie  daß  ans  Java  in  den  letzten  Jahren  —  mit  Hilfe  Deutscher  Assistenten
—  mehrere  Versuchsstationen  für  Rohrcultur  eingerichtet  worden  sind.
Das  Zuckerrohr  braucht  zur  Vollendung  seines  Wachsthums  je  nach
dem  Klima  eine  Zeit  von  12  bis  20  Monate.  In  den  warnten  Tropeuländern
  entwickelt  es  sich  zu  einem  hohen  schilfartigen  Rohrgewächse  mit
langen  breiten  Blättern  und  großen  Blüthenrispen,  tvelche  dicht  bestanden
und  seidenartig  glänzend  sind.  Die  zweiblüthigen  Aehren  find  mit  Büscheln
seidenartiger  Haare  umgeben,  ihre  Blüthen  von  verschiedener  Farbe  mit
drei  Staubfäden,  zwei  Stempeln  und  einem  Fruchtknoten  auf  einem  gipfelständigen
  Stengel  ohite  Blätter  oder  Knoten  aufgesetzt,  den  die  Pflanzer
Flèche,  Pfeil,  nennen.  Aus  den  Blüthen  entwickeln  sich  je  ¿tuet  kleine
längliche  Körner  mit  einem  Balg  versehen.  Die  Pflanze  hat  einen  dauernden, ­
  umherkriechenden  Wurzelstock,  aus  welchetn  mehrere  vielknotige,  verschieden ­
  gefärbte  Halme  zu  einer  Höhe  von  2Va  bis  4  Meter  emporschießen
in  einer  Dicke  von  24  bis  48  mm;  diese  Halme  sind,  gleich  unseren  Rohrarten,
  in  ihren  Höhlungen  mit  einer  zarten  Haut  ausgeschlagett  oder  getrennt
und  zu  zwei  Dritteln  ihrer  Länge  mit  einem  saftigen  Marke  angefüllt.
Die  Blätter  sind  1V 3  bis  l*/ 2  Meter  lang  und  haben  eine  starke  tveißliche
Mittelrippe.  Die  Blüthen  stehen  in  ellenlangen  pyramidalen  Rispen  ähnlich
unserem  Flieder.  Die  Dauer  der  Pflanze  ist  nach  den  vorhandenen  Angaben ­
  sehr  verschieden,  scheint  aber  in  Cuba  eine  längere  zu  sein  als
.  anderwärts:  möglich,  daß  mit  dieser  längeren  Dauer  auch  die  angeblich
            
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