Full text : Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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gekehrt,  dann  wird  dadurch  das  Urteilen  nur  zu  leicht
vorschnell,  ungerecht,  unmoralisch
Einige  Beispiele:  Das  Zinsnehmen  war  einst  aus
nicht  unberechtigten  Gründen  verboten,  es  heute  verbieten
zu  wollen,  würde  in  höchstem  Maße  töricht  sein.  Ferner:
Seit  über  2000  Jahren  war  es  innerste  Rechtsüberzeugung
aller  Kulturvölker,  so  erzählte  Schmoller  auf  der  Generalversammlung ­
  des  Vereins  für  Sozial-Politik  in  Mannheim,
daß  alle  Parteiverabredungen  im  Sinne  der  Preiserhöhungen
auf  dem  Markte  strafbar  seien,  bis  tief  ins  19.  Jahrhundert
reichten  derartige  Gesetze.  .  .  .  Wenn  wir  trotzdem  heute
in  den  Kartellen  mit  ihren  Preisverabredungen  an  und  für
sich  durchaus  nichts  moralisch  Verwerfliches  sehen,  so
zeigt  sich  eben,  daß  andere  ökonomische  Verhältnisse,  eine
andere  ökonomische  Einsicht  den  Inhalt  der  Moral  änderten. ­
  Endlich  noch  ein  Beispiel,  das  ein  heiß  umstrittenes
Problem  der  Gegenwart  berührt:  „Der  bekannte  Ethiker
und  Pädagoge  Professor  W.  Rein  in  Jena  hat  vor  einigen
Jahren  eine  kleine  Schrift  veröffentlicht  unter  dem  Titel
„Ethik  und  Volkswirtschaft“  f).  Die  Schrift  ist  bestimmt,
bodenreformerischen  Ideen  Geltung  zu  verschaffen  und
beschäftigt  sich  demgemäß  auch  mit  dem  Kapitel  „Ethik
und  Spekulation“.  Es  wird  da  gefordert,  daß  die  Spekulationen, ­
  die  auf  schnelle,  mühelose  Weise  Reichtümer
anzuhäufen  suchten,  von  der  öffentlichen  Meinung  viel
schärfer  als  dies  jetzt  noch  geschieht,  verurteilt  werden
müßten,  „sie  dürfen  nicht  zu  den  Operationen  gerechnet
werden,  die  man  für  anständig  hält“....  Unser  Autor  fährt
alsdann  fort:  „Wenn  es  wahr  ist,  daß  die  Grundstück-1)

  Soziale  Streitfragen,  herausgegeben  von  Adolf  Damaschke,
Heft  XIII.
            
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