Full text: Die Volkswirthschaftslehre

§ 141. Einkommen im Allgemeinen. 267 
von letzterem keine aufwiegende Gegenleistung empfängt. In - 
der Regel aber werden solche Beiträge keineswegs unentgeltlich 
als abgeleitetes Einkommen, sondern vielmehr als Kostendeckung 
für gemeinwirthschaftlich beschaffte Bedürfnißbefriedigung bezogen. 
Steuern z. B., die nicht mehr einbringen als zur Bestreitung 
tvirklich nothwendiger, dem Volksbedürfnisse entsprechender Staats 
ausgaben und bezüglich zur Ansammlung eines zureichenden 
Staatsschatzes erforderlich ist, sind als der Preis für die vom ¡ 
Staate zu Gunsten der Staatsgemeinschaft neu producirten Güter 
aufzufassen, deren Productionskosten eben von der Gesammtheit 
der Einzelnen, welche durch die Staatsleistungen gemeinschaftlich 
Bedürfnisse befriedigt erhalten, gemeinsam gedeckt werden müssen, 
woraus sich zugleich ergiebt, daß das bei Aufsummirung des 
Volkseinkommens zu berücksichtigende Einkommen entwickelterer 
Staaten weit weniger aus durch Besteuerung erzielten Einnahmen, 
als aus mehr oder weniger privatwirthschaftlich speculativen 
Staatsunternehmungen, insbesondere aus Nutzungen des eigen 
thümlich besessenen und für er>verbswirthschaftliche Zwecke benutzten 
Staatsvermögens (Staatsactivvermögens) hervorgeht. Vom 
Standpunkte der Privatwirthschaft aus sind dagegen freilich 
mindestens alle diejenigen Staats- und Gemcindeabgaben, welche 
auf als Productionsmittel benutzte Grundstücke und Kapitalien 
oder auf das Ganze eines Unternehmens entfallen und deshalb 
als eine behufs der Production gemachte Vorauslage erscheinen, 
zu den Productionskosten zu rechnen. 
Neben dem aus der nationalen Production sich ergebenden 
Einkommen muß endlich, um das Gesammteinkommen eines 
Volkes zu finden, genau genommen noch das abgeleitete Ein 
kommen zu ermitteln gesucht tverden, tvelches einzelnen Volks 
angehörigen etwa von auswärts zufließt. Letzterer Theil des 
Vvlkseinkommeus pflegt jedoch so unbedeutend zu sein, daß er 
füglich unbeachtet bleiben darf. 
Die Größe des Bolkseinkonnnens läßt sich hiernach schließlich 
überhaupt niemals ganz zuverlässig beziffern, sondern stets nur 
ungefähr schätzen. Ferner muß, um die Verhältnißmäßigkeit 
derselben beurtheilen zu können, eine damit vergleichbare Schätzung 
des Volksbedarfes hinzutreten, welcher sich seinerseits aus dem 
Vedarse der einzelnen Bevölkerungsgliederjzusammensetzt, dessen fast 
allein abschätzbares Minimum aber aus der Volksmenge und den 
durchschnittlich unentbehrlichen Bedürfnissen der verschiedenen
	        
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