Full text : Weltporto-Reform

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scheinlichkeitsberechnungen  anzustellen,  die  einigermassen
zutreffen.  Und  je  mehr  das  gelingt,  desto  grösser  ist  die  Kunst.
AVie  wichtig  das  für  die  Praxis  ist,  konnte  man  erst  unlängst
an  den  unglücklichen  deutschen  Verkehrstarifänderungen  des
Jahres  l'JOG  sehen,  die  weite  fiskalische  Zwecke  verfolgten,  aber
durchaus  nicht  erreichten.  Die  Ortspostkarten  wurden  im  Porto
von  2  Pf.  auf  5  Pf.  erhöht  und  gleichzeitig  auch  die  anderen
offenen  Ortssendungen  (1.  Juli  1906),  um  12  Millionen  M  mehr  einzubringen. ­
  Ihr  Verkehr  ist  aber  augenscheinlich  stark  (um  25%)
zurückgegangen 1 ).  Die  Zeitungsbeilagen,  von  %  auf  ] /a  Pf-*)
  Nach  dem  Bericht  der  YI  Kommission  des  Eeichstages  zu  Anfang
des  Jahres  1900  (No.  388  der  Reichstagsdrucksachen,  S.  29,  31,  31,  70,  72)
wurden  die  Mehreinnahmen  aus  der  Erhöhung  des  Ortsportos  u  dgl.
auf  12  Mi  11.  Mark  jährlich  und  für  das  Rechnungsjahr  1906/7  auf
9  Mill.  Mark  geschätzt.  Nach  der  Reichspoststatistik  für  1902  belief  sich
damals  der  Verkehr  der  beförderten  Orts-  und  Nachbarortspostkarten  auf
239  Millionen,  die  Zahl  der  Ortsdrucksachen  auf  140,  die  der  Warenproben
auf  3,5  und  die  der  Geselläftspapiere  auf  1,41  Mill.  Stück,  Später  wurden
diese  Zahlen  in  der  Statistik  nicht  mehr  veröffentlicht.
Eür  1905  schätzte  man  die  Zahl  der  Ortskarten  allein  etwa  auf
300  bis  335  Mill.  Stück  und  den  Mehrertrag  aus  ihrer  Portoerhöhung
von  2  auf  5  Pf.  auf  rund  10  Mill.  Mark.  Am  l.  Juli  1906  trat  das  erhöhte ­
  Porto  dann  in  Kraft  Aber  man  hat  hier  wieder  mit  den  flüchtigen
Tauben  auf  dem  Dache  gerechnet.  In  der  60.  Reichstagssitzung  vom
28.  November  1907  meinte  der  Schatzsekretär  Freiherr  von  Stengel  noch,
die  Portoerhöhung  der  Ortspostkarten  würde  im  Jahre  1907  zwar  nicht
die  ganze  geschätzte  Mehreinnahme,  aber  immerhin  doch  ein  Mehr  von
rund  0  Mill.  Mark  einbringen  (Stenographischer  Bericht  S.  1863  A).  Die
Finanzreform  Vorlage  vom  3.  November  1908  (Reiohstagsdrucksache  No.  992,
S.  35)  teilte  indessen  bald  nachher  in  ihrer  Begründung  mit,  dass  die
..Mehreinnahmen  (aus  dem  erhöhten  Ortskartenporto)  nur  4  bi,s
5  Mill  Mark  betragen  haben“  (statt  10  Millionen!).  Das  bedeutet
aber  einen  Rückgang  des  Ortskartenverkehrs  von  335  auf  250  Mill.
Stück  oder  um  25  °/ 0 .  Die  Vorlage  schlug  daher  mit  Rocht  eine  erneute
Herabsetzung  des  Ortskartenportos  wenn  auch  nicht  auf  2,  so  doch  auf
3  Pf.  vor  (S.  231  und  rechnete  dabei  mit  einem  Ausfall  von  2  Mill.  Mark
bei  Berücksichtigung  einer  Verkehrssteigerung  (S.  35).  Da  die  Reichspostverwaltung ­
  diese  Herabsetzung  ohne  Gesetz  vornehmen  darf,  könnte  sie  sie
sehr  wohl  an  gewisse  Bedingungen  knüpfen,  die  die  Bestellung  erleichtern  und
das  Anwachsen  des  Postpersonals  ein  wenig  einzuschränken  geeignet  wären
Jedenfalls  wäre  es  erfreulich,  wenn  das  verfehlte  Experiment  von
1906  bald  wieder  rückgängig  gemacht  würde.  Auch  ein  Satz  von  2V 2 Pf.
(d.  h.  2  Karten  für  5  Pf.)  wäre  erwägenswert.  Dass  die  Beförde-
            
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