genügt zur Regelung der Produktion, denn der Ausfall an
Arbeitszeit kann durch Maschineuzunahme, durch den Beizug
neuer Arbeitskräfte, durch gesteigerte Thätigkeit in der Haus
industrie und niederere Löhne rasch ausgeglichen werden.
Es fragt sich nun, ob und in welchem Maße dem
Stickereiverbande die Organisation der Produktion gelungen
ist. Wenn die Regelung der Produktion, als auf der Höhe
des überhaupt Erreichbaren angelangt, betrachtet wird, inso
fern sie eine Industrie aus dem Sumpfe der Überproduktion
herauszuziehen und dieselbe auch für die Zukunft vor diesem
Uebel zu bewahren weiß, so hat die vom Stickereiverbande
geschaffene Organisation diesen Höhepunkt erreicht. Vor Ver-
baudsgrüuduug an chronischer Ueberproduktiou leidend, ist
dieselbe mit dem Verbände verschwunden. Anders stellt sich
die Sache dar, wenn man glaubt, die Regelung der Produk
tion wäre erst vollständig erreicht, wenn in Folge davon alle
Arbeitskriseu konnten vernüeden werden. In diesem Falle hätte
der Stickereiverbaud nicht immer reussirt, denn trotzdem er
jede Überproduktion in seiner Brauche seit sechs Jahren zu
verhüten wußte, traten dennoch Arbeitskrisen ein. Mau darf
aber sagen, es hieße Unmögliches verlangen, wenn mau eine
Organisation der Produktion zur Verhinderung von Arbeits-
kriseu forderte, weil eben solche Krisen durchaus nicht immer
und in allen Brauchen au Ueberproduktiou gekoppelt sind.
So z. B. ist die gegenwärtige Arbeitskrisis in der Stickerei
nicht wegen Ueberproduktion, nicht einmal wegen der Mae
Kinley-Tarifbill, sondern darum entstanden, weil sich die
amerikanischen Ladies auf einmal darauf capricirteu, statt der
frühern brodirten Unterkleider solche aus Tricotsgeweben zìi
tragen, und weit der letzte nasse und kalte Sommer in Europa
unsere Damenwelt weit mehr nach dicken, warmen Wollge-
webeu als zu duftigen Stickereien hinzog. Man wird darum
auf die Forderung einer Organisation der Produktion zur
Verhinderung von Arbeitskrisen zu verzichten haben. Dagegen