Full text : Das Viehversicherungswesen im Deutschen Reich

32

dic  eigene  Wirthschaft  nicht  die  genügende  Menge  Rohmaterial
liefert,  so  findet  ein  Verkehr  von  vielen  fremden  Fuhrwerken  statt.
Andererseits  müssen  wohl  auch  die  Rückstände,  Schlempe,  Preßlinge, ­
  Bierträber  wieder  abgefahren  werden.  —  Die  Möglichkeit
einer  Ansteckung  wird  bei  größerem  Verkehr  vermehrt.
b)  die  Art  der  Fütterung,  ob  Stallsütterung,  Weidegang,  ob
beides,  welche  Stoffe  gefüttert  werden,  namentlich  Schlempe;
o)  auf  welche  Art  und  Weise  die  Wirthschaft  den  Viehstand
erşetzt,  ob  durch  eigene  Zucht  oder  durch  Kauf,  namentlich  ans
Gegenden,  wo,  wie  in  Holland,  die  Lungenseuche  oft  unter  dem
Rindvieh  herrscht.  Ferner  ist  zur  Beurtheilung  des  Risikos  wichtig,
ob  Mastvieh  gehalten  wird,  welches  in  Zeit  von  wenigen  Monaten
die  Wirthschaft  verläßt  und  wieder  durch  anderes  ersetzt  wird.
6)  Die  Bauart  der  Ställe,  verbunden  mit  der  Pflege  der  Thiere.
Ihre  Gesundheit  und  Resistenzfähigkeit  leidet  bedeutend,  wenn  Thiere
dauernd  in  niedrigen,  dumpfigen,  schlecht  ventilirten  Ställen  gehalten
werden.  Die  Temperatur  im  Stalle  muß  im  Sommer  verhältnißmäßig
  niedrig,  im  Winter  hoch  sein.  Thüren  und  Fenster  müssen
gut  schließen  und  nicht  in  der  herrschenden  Windrichtung  angebracht
sein.  —  Von  Bedeutung  sind  auch  die  Stalleinrichtungen:  ob  der
Stall  nicht  vcrhältnißmäßig  zu  der  Stückzahl  Thiere  zu  klein  ist,  ob
der  Dünger  namentlich  in  Rindviehställen  lange  Zeit  liegen  bleibt,
ob  die  Krippen  beweglich  sind,  ob  die  Thiere  angebunden  sind  oder
sich  frei  bewegen  können.  —  Ferner  kommt  in  Betracht  die  Wartung
und  Pflege  der  Thiere,  welche  einerseits  abhängen  von  der  Intelligenz
und  Energie  des  Wirhschafters,  andererseits  vom  Charakter  und  dem
allgemeinen  Bildungsgrad  der  im  Stalle  dienenden  Personen.
7)  Von  hoher  Bedeutung  für  das  Risiko  der  Privatviehversicherungcn
  sind  die  staatlichen  Einrichtungen:  Ausbildung  des  Veterinärwesens, ­
  des  Veterinärpolizeiwesens,  der  Seuchengesetzgebnng.
Außer  diesen  Verhältnissen,  welche  das  Risiko  in  einem  Viehstande ­
  beeinflussen,  mögen  noch  viele  andere  vorhanden  sein.  Sie
sind  von  der  verschiedensten  Art  und  in  ihrer  Combination  einander
theilweise  aufhebend,  theilweise  verstärkend.
Im  Allgemeinen  läßt  sich  die  Regel  aufstellen,  daß  je  wirksamer
und  umfassender  die  direkten  Mittel  zum  Schutze  eines  Viehstandes
sind,  um  so  geringer  brauchen  die  indirekten  zu  sein,  d.  h.  desto
weniger  wahrscheinlich  sind  die  durch  das  Institut  der  Versicherung
zu  ersetzenden  Unglücksfälle,  und  um  so  niedriger  kann  die  Versicherungsprämie ­
  sein.
In  der  Natur  der  lebenden  Wesen  liegt  es,  daß  jährlich  ein
gewisser  Procentsatz  zu  Grunde  geht,  welcher  bei  den  landwirthschaftlichen
  Hausthieren,  wie  ersichtlich,  mannigfachen  Schwankungen
unterworfen  ist.  Die  bedeutenderen,  hierüber  gemachten  und  aufgezeichneten ­
  Erfahrungen  sind  folgendes:

'  ')  R.  Stock:  Neue  Grundsätze  für  den  Betrieb  der  Vichversicherung.  1865.

p:
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.