Full text: Lexikon der Handelsgeographie

220 Großbritannien (Urproduktion: Ackerbau). 
wovon das Land selbst weniger als die 
Hälfte liefert, so daß von seinen 34,2 Mill. 
Einw. etwa 18,2 Mill, von fremdländi 
schem Brot leben. Die Einfuhr 1879 be 
trug 1225,2 Mill. Mk. und zwar: 
Weizen 629,4 Mill. Mk. 
Gerste 96, i - - 
Hafer 89,9 - - 
Mais 196,4 - - 
Roggen, Hülsenfrüchte u. a. 34,7 - - 
Mehl 178,5 - 
Nach Abzug einer sehr kleinen Ausfuhr be 
trug die Mehreinfuhr 1878 und 1879: 
1153,5 Mill., resp. 1211,2 Mill. Mk. 
Die verschiedensten Länder der Erde 
tragen zu dieser Versorgung bei: Weizen 
mehr als die Hälfte die Vereinigten 
Staaten, dann Russtand, Deutschland, 
Kanada, Britisch-Indien, Australien; 
Weizenmehl wiederum die Hälfte die 
Vereinigten Staaten, dann Österreich und 
Deutschland; für Gerste sind Hauptliefe 
ranten: Rußland, Deutschland, Türkei 
und Donaufürstcntümer, Dänemark; für 
Hafer: Rußland und Schweden, auch 
Deutschland; Mais kommt zu mehr als 
zwei Dritteln aus den Vereinigten Staa 
ten, dann aus der Türkei »üb den Donau- 
fürstentümern, Kanada und Rußland. 
DerKartoffelbau wird intensiv nur 
in Irland betrieben. Nur dort dienen 
Kartoffeln in großen Massen als Nah 
rung; die Engländer konsumieren vor 
zugsweise Weizen und Hülsenfrüchte, die 
Walliser und Schotten Hafer. Während 
im Deutschen Reich auf jeden Hektar Kar 
toffellands 1878: 16 Seelen entfielen, 
kamen ans dieselbe Fläche in England und 
Wales 181, Schottland 54, Irland 16. 
Die Jahresproduktion gibt man für G. 
auf 30,44 Mill, hl, für Irland auf 43,87 
Mill, lil an. Aber die Konsumtion ist im 
Steigen, und große Mengen werden jähr 
lich vom Ausland, namentlich von Deutsch 
land, bezogen ; 1879 betrug der Import 53,9 
Mill. Mk., davon deutsch 30,2 Mill. Mk. 
Dagegen nimmt die Hopfenkultnr, 
welche am stärksten in Kent betrieben wird, 
in jüngster Zeit ab, und demgemäß steigt 
bei der wachsenden Biererzeugung der 
Import, welcher 1879 einen Wert von 
24,358,760 Mk. erreichte. 
Brauerei und Brennerei. Alle 
andern Länder der Erde stehen gegen G. 
zurück, das wahrhaft großartig in seiner 
Bierprodnktion ist. 1871 wurden 2671 
Brauereien gezählt, jetzt übersteigt diese 
Zahl 3000. Auf England und Wales 
kamen 1871 allein 2512. Im ganzen 
Reich wurden 1877—78: 20 Mill, hl 
Malz mit 956,300 Etr. Zucker verbraucht, 
welche zusammen einen Stenerbctrag von 
169,3 Mill. Mk. lieferten. Die Ausfuhr 
von Bier und Ale erreichte 1874 einen 
Wert von 4,898,000 Mk., ist aber von da 
ab beständig gefallen und hatte 1879 einen 
Wert von 35,106,620 Mk. Davon ging 
nach Britisch - Indien für 6,4 Mill., nach 
Australien für 10,5 Mill., nach der Kap 
kolonie für 2,8 Mill. Mk. 
Die Brennereien sind meist sehr 
großartig und erzeugen gewaltige Quan 
titäten von Spirituosen. Der Konsum 
ist aber ein so außerordentlicher, daß die 
jährliche Zufuhr den Wert von 60 Mill. 
Mk. übersteigt. Eingeführt wurden 1879 : 
Branntwein für 43,i Mill., Rum für 11,7 
Mill. Mk. ii. st. Dagegen wurden nur 
für 13,4 Mill. Mk. ausgeführt. 
2) Der Flachsbau ist im nördlichen Ir 
land zu Hause, dort waren 1878: 45,282 
ha mit Flachs bestellt, von denen 22,116 
Ton. geerntet wurden; in England und 
Schottland ist die Kultur von gar keiner Be 
deutung. Aber die einheimische Industrie 
verarbeitet jährlich gegen 2 Mill. Etr. und 
bedarf daher bedeutender Einfuhren aus 
Rußland, Belgien, Holland, dem Deutschen 
Reich, Italien rc., so 
1877: 2216000 Ctr. für 101,1 Mill. Mk. 
1878: 1554000 - - 69,7 - 
1879: 1695094 - - 71,7 - 
3) Noch weit ungenügender ist die H a n f - 
knltu r, sodaß 1879 vonHanfnndHanf 
werg für 32,5Mill. Mk. importiert wurde, 
wozu noch die verwandte Jute mit einem 
Import von 65,i Mill. Mk. hinzukommt, 
um dem Bedarf der Spinnereien zu ge 
nügen. DerTab a kb a nist verboten. 1879 
importierte man für 39,4Mill. Mk. Tabak 
und Cigarren. 
4) Die Obstkultu r, der man große Auf 
merksamkeit widmet, gedeiht vornehmlich 
im S. und SW. Englands, und die Blu-
	        
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