Full text: Lexikon der Handelsgeographie

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Österreich - Ungarn (Ackerbau). 
eme Fabrik mit 2840 Spindeln in Sim 
mering bei Wien. In der Leinen-, Hanf- 
und Juteindnstric waren 1877 überhaupt 
thätig: 342,508 Spindeln, 500Kraftstühlc 
und 60,000 Handstühle. Die Anöfuhr- 
listen zeigen, daß Österreich von gröbern 
Waren (Packleinwand nnd Säcken) im 
portiert, daß dagegen bei Leinengarn nnd 
Lcinenwaren die Ansfuhr überwiegt. Von 
Deutschland führte es 1880: 723 Ton. 
Garn und 495 T. Seilerwaren ein, dahin 
5468 T. Garn und 653 T. Leinwand ans. 
Hinsichtlich der Tabakkultur steht Ö. 
unter den europäischen Staaten obenan. 
Der Anbau sowohl wie die Fabrikation ist 
Staatömonopol. 1877bezifferte sich diePro- 
duktion vonTabaksblättern anf61,698.000 
kg, davon 57,164,800 kg aus Ungarn nnd 
4,534,100kg aus Österreich, wo diese Kul 
tur in Galizien, Südtirol und der Buko 
wina gepflegt wird. Aber die Fabrikation, 
welche 37 meist großartige Etablissements 
beschäftigt, bedarf auswärtiger Zufuhren. 
Deutsche, türkische liiib überseeische Roh- 
tabakc werden zu Cigarren, Cigaretten, 
Rauch- und Schnupftabak verarbeitet. 
Den Umfang dieser Industrie illustriert 
nachstehende Tabelle: 
Österreich 1873 Ungarn 1872 
Fabriken 27 10 
Arbeiter 27453 10666 
Cigarren (Mill. Stück). 1239,« 529,3 
Rauchtabak (Tausd.Ctr.) 526,4 213,5 
Schnupftabak (Tsd. Ctr.) ' 48,5 3,2 
Der Rohtabak für die ararischen Fabriken 
geht zollfrei ein. Die Einfuhr belief sich I 
1879 auf 99,488. 1880 auf 121,964 Ctr. ; 
der Export von Tabakfabrikaten ist indes 
nicht so viel größer, um den Ausfall aus 
zugleichen. Von allen Tabakfabrikaten 
wurden 1880 eingeführt 34,465, ausge- ¡ 
führt 14,878Ctr. Die frühersehrbeträcht- ļ 
liehe Mehreinfnhr von Tabak nnd Tabak 
fabrikaten ist zwar bedeutend gesunken, 
won 261,699 Gir. in 1874 auf 84,339 Gtr. 
in 1880; allein noch im letzten Jahr war 
der Eiilfnhrwert 43,9 Mill. Mk. gegen 
einen Ausfuhrwert von 16,9 Mill. Mk. 
Die Zuckerrübenkultnr ist eine sehr 
ausgebreitete; 1876 waren damit in Öster- 
eeich (namentlich Böhmen und Mähren) 
168,009 ha, in Ungarn 18,685 ha bestellt. 
Die 
21 
ie Zahl der Fabriken war in Österreich 
■3 (Böhmen 159), in Ungarn 18; im 
ganzen wurden 12,930,67i metr. Ctr. 
Rüben versteuert. Die Gewinnung von 
Rübenzucker ist sehr entwickelt; der Ertrag 
war allerdings großen Schwankungen 
unterworfen, er betrug in der Kampagne 
1875-76: 3,602,76900'.,mql878-79 
auf 7,800,000 Ctr.; 1879-80 ergab aber 
nur 4,178,200 Ctr. Der Export ist ein 
recht bedeutender und versorgt hauptsäch 
lich Italien, Rumänien und den Orient. 
1879 bewegte sich der Zuckerhandcl in fol 
genden Grenzen (in metrischen Centnern): 
Einfuhr Ausfuhr 
ZfCù : : : : 232,,M 
Sirup uud Melasse 11147 139010 
Der Hopfe »bau ist in Böhmen von 
sehr großer Wichtigkeit, namentlich ist die 
Umgebung von Saaz berühmt; in Ungarn 
wird er nur in sehr geringem Maß be 
trieben. Die Jahresproduktion von ca. 
100,000 Ctr. liefert noch sehr ansehnliche 
Mengen zur Ausfuhr; 1880 betrug die 
selbe 30,262 Ctr. gegen eine Einfuhr von 
nur 7621 Ctr. 
Auch der Anbau von Raps ist in Un 
garn sehr bedeutend und findet sonst noch 
in Galizien, Böhmen, Schlesien, Sieben 
bürgen statt, nnd die Ausfuhr ist stets 
eine recht ansehnliche (1880: 403,125 Ctr. 
gegen einen Import von nur 58,753 Ctr.). 
Die übrigen Produkte des Landbaus: 
Fenchel und Kümmel, Anis, Gelbholz, 
Krapp, Mohn, türkischer Pfeffer, Safran, 
Baumwolle (Dalmatien) sind aber von 
weit geringerm Belang. 
Für den Handel wichtig ist der Anbau 
von Gemüse, der namentlich in Mähren 
zu bedeutender Entwickelung gekommen 
ist nnd auch bei Görz betrieben wird. Noch 
größer ist aber die Produktion von Obst; 
echte Kastanien kommen mitunter in gan 
zen Wäldern vor, Orangen, Citronen, 
Feigen und Granatäpfel sind in mehreren 
südlichen Gegenden zu finden. Oliven 
pflanzungen befinden sich in Dalmatien, 
wo die Ernte von 1874: 258,982 hl Öl 
ergab, in Istrien nnd Südtirol. — Hin 
sichtlich des Weinbaus steht Ö. unter 
den europäischen Staaten an dritter
	        
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