Full text : Lexikon der Handelsgeographie

362

Österreich  -  Ungarn  (Ackerbau).

eme  Fabrik  mit  2840  Spindeln  in  Simmering ­
  bei  Wien.  In  der  Leinen-,  Hanfund
  Juteindnstric  waren  1877  überhaupt
thätig:  342,508  Spindeln,  500Kraftstühlc
und  60,000  Handstühle.  Die  Anöfuhrlisten
  zeigen,  daß  Österreich  von  gröbern
Waren  (Packleinwand  nnd  Säcken)  importiert, ­
  daß  dagegen  bei  Leinengarn  nnd
Lcinenwaren  die  Ansfuhr  überwiegt.  Von
Deutschland  führte  es  1880:  723  Ton.
Garn  und  495  T.  Seilerwaren  ein,  dahin
5468  T.  Garn  und  653  T.  Leinwand  ans.
Hinsichtlich  der  Tabakkultur  steht  Ö.
unter  den  europäischen  Staaten  obenan.
Der  Anbau  sowohl  wie  die  Fabrikation  ist
Staatömonopol.  1877bezifferte  sich  dieProduktion
  vonTabaksblättern  anf61,698.000
kg,  davon  57,164,800  kg  aus  Ungarn  nnd
4,534,100kg  aus  Österreich,  wo  diese  Kultur ­
  in  Galizien,  Südtirol  und  der  Bukowina ­
  gepflegt  wird.  Aber  die  Fabrikation,
welche  37  meist  großartige  Etablissements
beschäftigt,  bedarf  auswärtiger  Zufuhren.
Deutsche,  türkische  liiib  überseeische  Rohtabakc
  werden  zu  Cigarren,  Cigaretten,
Rauch-  und  Schnupftabak  verarbeitet.
Den  Umfang  dieser  Industrie  illustriert
nachstehende  Tabelle:
Österreich  1873  Ungarn  1872
Fabriken  27  10
Arbeiter  27453  10666
Cigarren  (Mill.  Stück).  1239,«  529,3
Rauchtabak  (Tausd.Ctr.)  526,4  213,5
Schnupftabak  (Tsd.  Ctr.)  '  48,5  3,2
Der  Rohtabak  für  die  ararischen  Fabriken
geht  zollfrei  ein.  Die  Einfuhr  belief  sich  I
1879  auf  99,488.  1880  auf  121,964  Ctr.  ;
der  Export  von  Tabakfabrikaten  ist  indes
nicht  so  viel  größer,  um  den  Ausfall  auszugleichen. ­
  Von  allen  Tabakfabrikaten
wurden  1880  eingeführt  34,465,  ausge-  ¡
führt  14,878Ctr.  Die  frühersehrbeträcht-  ļ
liehe  Mehreinfnhr  von  Tabak  nnd  Tabakfabrikaten ­
  ist  zwar  bedeutend  gesunken,
won  261,699  Gir.  in  1874  auf  84,339  Gtr.
in  1880;  allein  noch  im  letzten  Jahr  war
der  Eiilfnhrwert  43,9  Mill.  Mk.  gegen
einen  Ausfuhrwert  von  16,9  Mill.  Mk.
Die  Zuckerrübenkultnr  ist  eine  sehr
ausgebreitete;  1876  waren  damit  in  Östereeich
  (namentlich  Böhmen  und  Mähren)
168,009  ha,  in  Ungarn  18,685  ha  bestellt.

Die
21

ie  Zahl  der  Fabriken  war  in  Österreich
■3  (Böhmen  159),  in  Ungarn  18;  im
ganzen  wurden  12,930,67i  metr.  Ctr.
Rüben  versteuert.  Die  Gewinnung  von
Rübenzucker  ist  sehr  entwickelt;  der  Ertrag
war  allerdings  großen  Schwankungen
unterworfen,  er  betrug  in  der  Kampagne
1875-76:  3,602,76900'.,mql878-79
auf  7,800,000  Ctr.;  1879-80  ergab  aber
nur  4,178,200  Ctr.  Der  Export  ist  ein
recht  bedeutender  und  versorgt  hauptsächlich ­
  Italien,  Rumänien  und  den  Orient.
1879  bewegte  sich  der  Zuckerhandcl  in  folgenden ­
  Grenzen  (in  metrischen  Centnern):
Einfuhr  Ausfuhr
ZfCù  :  :  :  :  232,,M
Sirup  uud  Melasse  11147  139010
Der  Hopfe  »bau  ist  in  Böhmen  von
sehr  großer  Wichtigkeit,  namentlich  ist  die
Umgebung  von  Saaz  berühmt;  in  Ungarn
wird  er  nur  in  sehr  geringem  Maß  betrieben. ­
  Die  Jahresproduktion  von  ca.
100,000  Ctr.  liefert  noch  sehr  ansehnliche
Mengen  zur  Ausfuhr;  1880  betrug  dieselbe ­
  30,262  Ctr.  gegen  eine  Einfuhr  von
nur  7621  Ctr.
Auch  der  Anbau  von  Raps  ist  in  Ungarn ­
  sehr  bedeutend  und  findet  sonst  noch
in  Galizien,  Böhmen,  Schlesien,  Siebenbürgen ­
  statt,  nnd  die  Ausfuhr  ist  stets
eine  recht  ansehnliche  (1880:  403,125  Ctr.
gegen  einen  Import  von  nur  58,753  Ctr.).
Die  übrigen  Produkte  des  Landbaus:
Fenchel  und  Kümmel,  Anis,  Gelbholz,
Krapp,  Mohn,  türkischer  Pfeffer,  Safran,
Baumwolle  (Dalmatien)  sind  aber  von
weit  geringerm  Belang.
Für  den  Handel  wichtig  ist  der  Anbau
von  Gemüse,  der  namentlich  in  Mähren
zu  bedeutender  Entwickelung  gekommen
ist  nnd  auch  bei  Görz  betrieben  wird.  Noch
größer  ist  aber  die  Produktion  von  Obst;
echte  Kastanien  kommen  mitunter  in  ganzen ­
  Wäldern  vor,  Orangen,  Citronen,
Feigen  und  Granatäpfel  sind  in  mehreren
südlichen  Gegenden  zu  finden.  Olivenpflanzungen ­
  befinden  sich  in  Dalmatien,
wo  die  Ernte  von  1874:  258,982  hl  Öl
ergab,  in  Istrien  nnd  Südtirol.  —  Hinsichtlich ­
  des  Weinbaus  steht  Ö.  unter
den  europäischen  Staaten  an  dritter
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.