Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

Opposition  gegen  die  äusserlichen  Merkmale  und  Formeln  des
entgegenstehcndcn  Systems  vertrug,  kann  nun  aber  nicht  als
eine  ernstliche  Ueberwindung  des  letzteren  gelten.  Wir  müssen
daher  darauf  zurückkommen,  dass  es  sich  auch  bei  den  beiden
Franzosen  nur  um  Gegenregungen  gehandelt  hat,  die  den
gröbsten  Formen  der  mercantilen  Yorstellungsart  widersprachen,
aber  selbst  keineswegs  zu  einer  genügenden  Ansohauung  von
den  Schwierigkeiten  gelangten,  die  dem  tieferen  Vcrstündniss
der  Verrichtungen  des  Geldes  und  der  Rollo  dos  Handels  entgegenstehen.

15.  Wie  die  blosse  Neigung,  das  edle  Metall  durch  Papier
zu  ersetzen,  noch  keine  Beseitigung  der  Mangel  des  mercantilen ­
  Denkens  zu  enthalten  brauche,  hat  der  Schotte  John
Law,  der  seine  Experimente  an  Frankreich  und  zwar  bald  nach
dem  1/14  erfolgten  Tode  Boisguillcberts  machte,  durch  den
unglücklichen  Ausgang  seines  Bank-  und  Papiersystems  hinreiohend
  bewiesen.  Seine  Credit-  und  Finanzoperationen  haben
der  Welt  ein  Beispiel  gegeben,  wohin  man  gelangen  kann,
wenn  man  Geldstoif  und  Werthsummen  mit  einander  verwechselt ­
  und  sich  cinbildet,  durch  den  papiernen  Ersatz  des
ersteren  auch  die  letzteren  her  vorzubringen  und  gleichsam  aus
dem  Nichts  entstehen  zu  lassen.  Die  Lawschen  Ideen  sind
hienach  zunächst  eine  Verwandlung  des  mercantilen  Gedankens
von  der  Rolle  des  Geldes,  und  sie  befinden  sich  nur  insofern
zu  demselben  in  einem  Gegensatz,  als  die  Wirkung  der  edlen
Metalle  nicht  mehr  als  wesentlich  anerkannt,  sondern  mit  derjenigen ­
  des  Creditgeldes  vertauscht  wird.  In  beiden  Fällen  ist
es  aber  das  Geld,  welchem  die  Hauptfunction  in  der  ergiebigen
Gestaltung  der  WirthschaftsVerhältnisse  zugeschrieben  wird.
Die  Beschaffung  desselben  soll  der  Weg  zum  nationalen  Reichthum ­
  sein,  und  die  Schicksale,  die  dasselbe  betroffen,  sollen
den  entscheidenden  Ausgangs-  und  Mittelpunkt  bilden,  auf  den
sich  die  gesammte  Productionsmöglichkeit  beziehen  müsse.
Der  Gedanke  dieses  Abhängigkeitsvorhältuisses  ist  aber  grade
derjenige  Charakterzug  der  mercantilen  Anschauungsweise,
welcher  weit  tiefer  wurzelt,  als  das  Haften  an  den  edlen  Metallen. ­
  Er  ist  es,  der  noch  heute  eine  gewisse  Rolle  spielt.
Es  lässt  sich  nämlich  Angesichts  des  neusten  Standpunkts  der
Wissenschaft  nicht  mehr  leugnen,  dass  in  den  Beziehungen
von  Geld  und  Production  eine  doppelte  Wirkungsrichtung  in
            
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