108
keit als die Ergebnisse eines zu ihrer Herstellung erforder
lichen Nahrungsaufwandes zu denken haben. Dieser Aufwand
an Nahrung wird in jedem Fall die natürlichen Kosten der
Production repräsentiren. Alles was nicht Nahrung, aber
von Menschen hergestellt ist, wird so zu sagen als eine Ver
wandlung der verbrauchten Nahrung erscheinen. Weiss nun
derjenige, der auf diese Weise denkt, nicht zwischen dem zu
unterscheiden, was in der Nahrung selbst auf Rechnung der
productiven Thätigkeit zu setzen sei, und dem, was an ihr
eine andere Bedeutung hat, so wird die Vorstellung von der
Productivité unvermeidlich eine höchst verworrene werden
müssen. Alles wird dann in Nahrung geschützt, und das
Resultat ist ein Vorstellungskreis, der von der Wahrheit so
weit als nur irgend möglich abweicht. Die Natur ist dann der
einzige Producent, und zwar ist sie dies nur insofern, als sie
über den Unterhalt der arbeitenden Menschen hinaus ihre über-
schicssenden Gaben spendet.
Im natürlichen Aufbau der grossen Wirthschaftszweige ist
die Nahrungsgewinnung offenbar das Fundament, ohne welches
von dem Uebrigen auch nicht das Mindeste bestehen kann.
In dieser Hinsicht ist ein verfügbarer Nahrungsüberschuss,
mag er nun der Arbeit zu verdanken sein oder nicht, unter
allen Umständen und selbst in rein fingirten Verhältnissen die
unerlässliche Vorbedingung einer industriellen Entwicklung.
Hieraus folgt aber nicht, dass er auch als der hervorbringende
Grund der Gewerbe und als der Repräsentant der productiven
Kraft betrachtet werden dürfe. Im Gegentheil ist das Ursäch-
lichkeitsverhältniss das grade umgekehrte, und es muss in
völlig entgegengesetzter Richtung gedacht werden. Der Zug
der höheren Bedürfnisse und die Kraft der technischen Fähig
keiten ist es, was auch den Ackerbau im Verhältniss zu den aufge
wendeten Mitteln ergiebiger macht, und über den Unterhalt der
landwirthschaftlichen Bevölkerung hinaus eine immer grössere
Erzeugnissmenge verfügbar werden lässt. Doch wir wollen hier
nicht den neusten kritischen Vorstellungen vergreifen, sondern
uns ausschliesslich mit dem Standpunkt der Quesnayschen, dem
Naturmenschen und der noch nicht oriontirten Phantasie sehr
naheliegenden Vorstellungsart beschäftigen.
Alle diejenigen, welche im ökonomischen Denken erste
Versuche machten, sind der Abirrung ausgesetzt gewesen, die