Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

219

äiisserlichen  Nacktheit  blosgestellt,  und  hierin  liegt  wiederum  ein
Grund,  welcher  den  sonst  so  feindlich  denkenden  Bourgeoisökonomen ­
  zum  Anknüpfungspunkt  für  Socialitütsgedanken  werden
lässt.  Br,  der,  wie  man  aus  seinen  nachgelassenen  „Bemerkungen ­
  über  Parlamentsreform”  (vom  Jahre  1823)  sieht,  sich  alle
gegen  die  Besitzenden  gerichteten  Bestrebungen  nur  in  der
ganz  rohen  Form  der  Theilung  der  grossen  Yermögcn  denken
konnte,  und  nur  aus  Furcht  vor  solchen  grob  finanziellen  Theilungsgedanken
  unter  der  unwissendsten  Schicht  des  Volkes  das
allgemeine  Wahlrecht  noch  hinausgeschoben  wissen  wollte,
er,  der  von  andern  Formen  des  Olassenkampies  noch  keine
Ahnung  hatte  und  die  schon  damals  vorhandenen  socialistischen
Regungen  völlig  übersah,  nahm  nicht  im  Mindesten  Anstoss
daran,  sich  eines  ironisch  sein  sollenden  Anspruchs  zu  bedienen, ­
  dessen  Schärfe  sich,  genauer  betrachtet,  gegen  den  Urheber ­
  selbst  und  die  ganze  Anschauungsweise  seiner  Gesinnungsgenossen ­
  kehren  muss.  ,,Wenn  wir  ,  sagt  er  (in  der
Abhandlung  über  Ackerbauschutz,  Werke  S.  467),  „in  einem
von  Herrn  Owens  Parallelogrammen  lebten  und  alle  unsere
Hervorbringungen  in  Gemeinschatt  genössen,  dann  könnte  Niemand ­
  in  Folge  von  Ueberfluss  leiden;  aber  solange  die  Gesellschaft ­
  wie  jetzt  eingerichtet  ist,  wird  der  Ueberfluss  oft  für
die  Producenten  nachtheilig  und  Seltenheit  für  sie  wohlthätig
sein.”  Die  überreichlichen  Ernten,  welche  über  den  Durchschnitt ­
  stark  hinausgreifen,  und  diejenigen,  welche  hinter  dem
Durchschnitt  Zurückbleiben,  sind  zwar  die  besondern  Fälle,  die
Ricardo  hier  zunächst  vor  Augen  hat;  aber  seine  Aeusserung
ist  zugleich  ein  Typus  für  seine  durch  die  ganze  Oekonomie
hindurchgehenden  Voraussetzungen  gleicher  Art.  Nach  ihm
wird  die  erheblich  über  den  Durchschnitt  hinausgehende  Ernte
dem  Producenten  einen  geringem  Gesammtgowinn  liefern,  als
wenn  sie  in  der  Nähe  dqs  Durchschnitts  verblieben  wäre.  Die
grössere  Menge  des  Absatzes  entschädigt  hier  nicht  für  das
weit  bedeutendere  Verhältniss,  in  welchem  die  Preise  gesunken
sein  müssen.  So  richtig  nun  auch  bei  gewissen  Maasseii  der
Erhebung  über  das  Durchschnittliche  diese  durch  die  Erfahrung
und  innere  Gründe  ausser  Zweifel  gestellte  Wirkungsart  des
reichlichen  Vorraths  oder,  wie  wir  kurz  sagen,  der  durch  Natur
oder  Concurrenz  erzeugten  Ueberproduction  ist,  so  hat  dennoch
Ricardo  vergessen,  dass  er  mit  seiner  Hinweisung  auf  commu-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.