Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

lïiciiacli  iát  dor  Grimd,  aus  welchem  mandas  Schema  von
den  drei  Systemen  nicht  in  der  gewöhnlichen  Bedeutung  annohmen
  kann,  ein  ganz  anderer,  als  derjenige,  welcher  gegenwärtig ­
  nicht  selten  zur  Verwischung  aller  ausgeprägten  Unterschiede ­
  veranlasst.  Es  giebt  nämlich  Ansichten,  denen  zufolge
die  Vorstellung  von  markirten  Systomrichtuugon  überhaupt  aufzugeben ­
  wäre.  Indessen  liegt  in  einer  solchen  Zumuthung
nichts  weiter  als  die  Verleugnung  besserer  früherer  Beobachtungen, ­
  indem  die  eigenthümlicli  ausgeprägten  Erscheinungen
mit  gestaltlosen  Nebeln  vertauscht  und  die  charakteristischen
Begriife  zu  leicht  verwechselbaren  Unbestimmtheiten  verflacht
werden.  Die  Systeme  sind  also  wirklich  vorhanden,  und  es  ist
nichts  weiter  zu  verhüten,  als  dass  die  Virtuositäten  in  der  Erläuterung ­
  und  Formulirung  der  praktischen  Maximen,  wie  sie
das  Mcrcantilsystcm  lieferte,  mit  den  selbständigen  theoretischen
Aufstellungen,  die  bei  den  Physiokraten  ihre  erste  geschichtlich ­
  wichtige  und  wirksame  Rollo  spielten,  in  eine  einzige
gleichartige  Einheit  zusammengeworfen  werden.  Wie  aber  der
Mercantilismus  eine  vornehmlich  praktische  Erscheinung  gewesen ­
  ist  und  dies  auch  hat  nothwendig  werden  und  bleiben
müssen,  wird  sich  aus  der  Untersuchung  seiner  Natur  sofort
zeigen.
fl.  In  einem  sehr  allgemeinen  Sinne  des  Worts  redet  man
noch  heute  von  Mercantilismus,  wenn  man  eine  Richtung  bezeichnet, ­
  die  ihren  Ausgangspunkt  ausschliesslich  im  Gebiet
dos  Handels  hat  und  dessen  Interessen  einseitig  ohne  die  gebührende ­
  Rücksicht  auf  die  übrigen  Berufszweige  geltend  gemacht ­
  wissen  will.  Obwohl  nun  in  diesem  Sinne  grade  der
gegenwärtige  Zustand  der  Volkswirthschaften  die  Idee  eines
ganz  modernen  Mercantilismus  sehr  nahe  legt,  und  obwohl
dieses  jüngste  Gebilde  keineswegs  dem  völlig  fremd  ist,  was
man  in  der  Geschichte  mit  jenem  Namen  bezeichnet,  so  kommt
es  doch  vor  allen  Dingen  darauf  an,  die  historische  Erscheinung ­
  zunächst  als  solche  in  ihrer  vollen  Eigenthümlichkeit  mit
allen  sie  wesentlich  unterscheidenden  Zügen  zu  ergreifen  und
sich  noch  nicht  durch  allgemeinere  Aehnlichkeiten  ablenken
zu  lassen.
Man  sagt  sehr  wenig,  wenn  man  dem  Mercantilsystem,  wie
cs  piaktisch  und  literarisch  in  den  Jahrhunderten  der  neuern
Zeit  zur  Herrschaft  gelangte,  die  Maxime  zuschreibt,  dass  der
            
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