Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Handel  die  entscheidende  Macht  zur  Bereicherung  der  Völker
sei.  Allerdings  ist  diese  Vorstellung  sein  Ausgangspunkt  und
sie  wurzelte  in  einem  Antriebe  der  Thatsachen,  welcher  nichts
Zufälliges  an  sich  hatte.  Allein  es  müssen  noch  andere  Zielpunkte ­
  hinzutreten,  und  in  dieser  Hinsicht  sind  sogar  die  gewöhnlichen ­
  Erinnerungen  an  die  edlen  Metalle  und  an  die
Bilanzrücksichten  im  Allgemeinen  zutreffend.  Doch  pflegt  man
die  Bedeutung,  welche  der  Mercantilismus  den  edlen  Metallen
beilegte,  ebenso  wie  die  Art,  in  welcher  er  die  Wirksamkeit
der  Handelsbilanz  betrachtete,  meist  bis  zur  Caricatur  zu  verzerren; ­
  —  gar  nicht  davon  zu  reden,  dass  man  den  natürlichen
Zusammenhang,  in  welchem  die  Bestrebungen  in  Rücksicht  auf
den  Handel,  das  Held  und  die  Bilanz  standen,  gemeiniglich
übersieht.
Die  bekannte  Midasfabel  wurde  schon  im  Altorthum  und
speciell  auch  von  Aristoteles  gebraucht,  um  zu  beweisen,  dass
man  Gold  nicht  essen  könne.  Die  neuern  und  neusten  Carikirer
  des  Mercantilismus  haben  diese  uralte  und  sicherlich  nicht
nach  allzu  viel  Geist  aussehende  Wendung  nachgeahmt  und
den  mercantilen  Anschauungen  die  thörichtsten  Ansichten  und
Absichten  untergeschoben.  Sie  haben  oft  genug  so  geredet,  als
wenn  die  Geschäftsleute  und  Staatsmänner  beinahe  geglaubt
hätten,  dass  sich  die  edlen  Metalle  zur  Nahrung  des  menschlichen ­
  Körpers  gebrauchen  Hessen.  Zu  diesen  Ausschweifungen
hat  ausserordentlich  viel  die  Feindschaft  beigetragen,  mit  welcher
die  neuaufkommenden  Schulen  und  die  veränderten  Interessen
Alles  befehdeten,  was  mit  dem  Mercantilismus  in  irgend  welcher
Beziehung  stand.  Noch  heute  ist  man  durchschnittlich  von
einer  unbefangenen  und  geschichtlich  zutreffenden  Würdigung
der  mercantilen  Praxis  und  der  ihr  anhängeuden  Ideen  ziemlich
weit  entfernt.  Die  Hinweisung  auf  die  Ueberschätzung  der
edlen  Metalle  durch  die  Mercantilisten  ist  zwar  im  Allgemeinen
berechtigt,  genügt  aber  nicht,  indem  man  wissen  muss,  in  welcher ­
  Art  die  Vorstellung  über  die  Rolle  des  Silbers  und  Goldes
fehlgegriffen  habe.
In  dieser  Beziehung  giebt  es  nun  keinen  andern  Ausweg,
als  die  innern  und  äussern  Gründe  zu  untersuchen,  aus  welchen
eine  bestimmte  Idee  über  die  Bedeutung  der  edlen  Me  talle  hervorgehen ­
  konnte.  Zunächst  war  der  Handel  und  zwar  vornehmlich ­
  der  auswärtige  Handel  im  Beginn  der  neuern  Ge-
            
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