Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

521

seinem  Lohn  zu  derartigen  Etablissements  zu  gelangen.  Dies
war  offenbar  unter  den  vorausgesetzten  Umständen  die  Idee
einer  Schöpfung  aus  Nichts;  denn  das  Nichtige  oder  völlig
Unerhebliche  solcher  Ersparungen  fällt  in  die  Augen,  zumal
wenn  die  letzteren,  wie  angenommen,  ganz  freiwillig  sein  und
nur  in  den  Oonsumvereinen  oder  dem  Bedürfniss  der  Yorschussvereine
  einen  kleinen  Anreiz  erhalten  sollen.  Die  Erziehung ­
  zum  Sparen  in  den  Consumvereinen  mag  als  ein
Stückchen  ökonomischer  Volkspädagogik  hier  und  da  einige
Früchte  tragen;  mit  dem  erwachsenen,  ja  riesenhaft  erwachsenen ­
  Problem  des  Socialismus  hat  diese  Disciplin  der  Sparkasse, ­
  um  nicht  zu  sagen  der  Sparbüchse,  nichts  zu  schaffen.
Auf  diese  Kluft  machte  Lassalle  mit  dem  vollsten  Recht  aufmerksam; ­
  aber  er  stützte  sich  in  der  Bekämpfung  der  von
Herrn  Schulze  auf  Deutschen  Boden  verpflanzten  Mittel  auf
das  zweideutige  Gesetz  der  Beschränkung  des  Arbeitslohns  auf
das  geringste  Unterhaltsmaass.  Die  Vorschuss-,  Rohstoff-  und
Magazinvereine  kämen  nur  für  den  Handwerker  und  das  kleine
Capital  in  Betracht,  welches  unausweichlich  den  Formen  der
Grossindustrie  erliegen  müsse,  seien  also  gar  nicht  für  den
Arbeiter  berechnet  und  führten  auch  übrigens  nur  einen  reaction ­
  är  en  Kampf  gegen  die  Nothwendigkeiten  der  ökonomisphen
Capitalconcentration.  Die  Consumvereine  würden  aber  nur  solange ­
  etwas  nützen,  als  sie  nicht  allgemein  geworden  wären.
Im  letzteren  Falle  würde  nach  dem  Gesetz  des  geringsten
Unterhaltsmaasses  auch  der  geringe  Vortheil,  den  sie  gewährten, ­
  nicht  bei  dem  Arbeitslohn  verbleiben,  sondern  den  Arbeitgebern ­
  anheimfallen.  Productivassociationen  seien  dagegen  nur
unter  finanzieller  Hülfe  des  Staats  im  Wege  des  öffentlichen
Credits  durchzuführen.  Nach  demselben  Princip,  aus  welchem
die  staatlichen  Zinsgarantien  für  die  Privateisenbahnen  hervorgingen, ­
  rechtfertige  sich  auch  die  Förderung  der  grossen  Culturaufgabo,
  den  Arbeiter  selbständig  zu  machen.  Im  herrschenden
Productionsregimo  seien  nur  wenige  Procent  der  Bevölkerung
in  guter  Lage;  für  die  Preussischen  Zustände  in  der  Mitte  des
Jahrhunderts  bezeuge  die  amtliche  Statistik,  dass  96  Procent
so  situirt  seien,  dass  die  Bestgestellten  an  der  äussersten  Grenze
ein  Einkommen  von  lOOThlr.  erreichten,  während  über  /  2  Procent
unter  100  Thlr.  verblieben.  Eine  solche  Taxirung  des  Familienoinkommens ­
  nach  Maassgabe  der  Steuer  erinnert  uns  an  ein
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.