Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

—  538  —

mit  ihrem  Inhalt,  dessen  Abfassung  auch  sogar  seinen  eignen
Stil  zur  Schau  trägt.  Das  Reden  von  der  Erstrebung  einer
„wahrhaft  christlich  germanischen  Zunftvcrfassiing’^  (S.  181),
verbunden  mit  der  Berufung  auf  den  politisch  und  religiös
retrograden,  durch  die  Ermahnung  der  Wissenschaft  zur  Umkehr ­
  berüchtigten  Rechtsphilosophirer  Stahl,|  ist  ein  Zeugniss,
welches  keiner  Erläuterung  bedarf.  Nur  glaube  man  nicht,
dass  die  Marloschen  Ausführungen  nicht  wesentlich  rationell
und  trotz  des  seltsamen  Standpunkts  auch  für  den  Andersdenkenden ­
  nicht  völlig  lesbar  gehalten  wären.  Würden  sie  der
Manier  eines  Stahl  gleichen,  so  würde  in  unserer  Geschichtsdarstellung ­
  von  ihnen  keine  Notiz  genommen  sein.  Man  hat
sich  bei  der  Beurtheilung  einer  Erscheinung,  wie  das  Marloschc
  Buch,  eben  an  den  seltsamen  Widerspruch  zu  gewöhnen,
der  zwischen  dem  praktisch  beengten  Ausgangspunkt  eines  bestimmten, ­
  sich  in  besondorn  socialen  Verhältnissen  bewegenden
Menschenlebens  einerseits  und  dem  freieren  socialistischen
Drange  andererseits  bestanden  hat.  Das  Aeusscrste  der  Verkehrtheit ­
  ist  sogar  noch  zu  erwähnen  übrigj  denn  wir  haben
in  unserm  Autor  einen  Mann  vor  uns,  der  in  allen  Punkten,
mit  Ausnahme  eines  einzigen,  allerdings  moralisch  sehr  wichtigen, ­
  das  Muster  eines  Malthusianers  abgiebt.  Die  Ausnahme
ist  die  den  Massen  sympathische  und  überhaupt  viel  gerechter
und  edler  gestaltete,  nicht  der  Bourgeoisie  schmeichelnde  Gesinnung. ­
  Dagegen  sind  die  theoretischen  Vorstellungen  und
praktischen  Gonsequenzen  ein  classisches  Ebenbild  der  Malthusschen
  Corruptivitäten.  Zunächst  wird  mit  dankenswerther
Offenheit  an  die  Spitze  gestellt,  dass  ohne  künstliche  Regulirung ­
  der  Bevölkerungsmenge  von  keiner  socialen  Form,  wie
sie  auch  beschaffen  sein  möge,  die  Beseitigung  des  Massenelends ­
  ermöglicht  werden  könne.  Im  Reich  des  neuen  Marloschen ­
  Socialismus  wird  daher  neben  dem  Schlagwort  der  socictären
  Geschäftsform  die  Eindämmung  der  Bevölkerung  in  den
Staaten  alter  Cultur  die  entscheidende  Hauptangolegonhoit.
Jedermann  hat  nach  Mario  ein  Recht  auf  Existenz  und  Arbeit,
aber  nicht  auf  üebervölkerung.  An  die  Stolle  der  früher  erwähnten ­
  Malthusschen  Kanzelvermahnung  tritt  bei  Mario  (Bd.  III
S.  109)  die  amtliche  Einhändigung  einer  Abhandlung  über  die
Pflichten  eines  Familienvaters,  nicht  um  die  betreffende  Ehe
im  Sinne  von  Malthus  noch  an  der  Schwelle  zu  hindern,  son-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.