Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

574

tere  auch  für  den  Betrieb  der  wohlbegrttndetsten  und  politisch
oder  religiös  an  sich  indifferentesten  Wissenschaften  haben  muss.
Das  19.  Jahrhundert  ist  grade  in  diesem  Punkte  eine  grosse
Lehre;  denn  die  Fortschritte  sind  nicht  durch  diese  Verhältnisse, ­
  sondern  trotz  derselben  gemacht  worden,  und  daneben
haben  sich  namentlich  in  der  Mathematik  sehr  viele  Rückläufigkeiten, ­
  wüste  speculative  Luxusverirrungen  und  arge
Stauungen  sowie  Verluste  früherer  besserer  Anschauungsweisen ­
  produciren  können.  Letztere  Erscheinung  ist  nun  rein
social  und  politisch  zu  erklären,  und  so  dürfte  die  Bakuninsche
  Denkrichtung  nicht  ganz  im  Unrecht  sein,  wenn  sie  die
fast  leblosen  Körpertheile  der  Wissenschaft  eben  auch  als  der
Ausmerzung  anheimfallend  betrachtet.  Herr  Marx  steht  nicht
blos  in  der  Oekonomie  mit  seinem  Ricardo,  den  er  formell  nur
verhegelt  und  materiell  nur  nach  der  Seite  des  Socialismus
umgebogen  hat,  auf  einem  altfränkischen,  sondern  auch  mit  seiner ­
  ganzen  allgemeinen  Bildung  auf  einem  überlebten  philosophastrischen ­
  Standpunkt,  der  zwar  der  gewöhnlichen  Schulung
der  dreissiger  Jahre  in  Deutschland  entsprach,  aber  von  einem
wirklich  entwicklungsfähigen  Manne  hätte  überwunden  werden
müssen.  Ihm  geht  die  naturwissenschaftliche  Denkweise  völlig
ab  und  auch  sein  Gegensatz  gegen  das  Pricsterthum  ist  nicht
systematisch  und  entschieden  genug,  um  den  Verdacht  auszuschliessen,
  dass  der  zähe  Judaismus  in  ihm,  trotz  seiner  eignen
Spöttereien  gegen  einzelne  jüdische  Autoren,  nicht  noch  einige
Rückständigkeiten  conservirt  haben  sollte.  In  der  antitheologischen ­
  Hinsicht  spricht  sich  Bakunin  nicht  nur  durchgreifender ­
  aus,  sondern  lässt  seine  Gedanken  auch  in  das  Programm
der  Alliance  übergehen.  Zwar  gilt  auch  die  Internationale  mit
Recht  als  Gegnerin  aller  Religionen;  aber  ihr  Programm  enthält ­
  nichts  von  diesen  geistigen  Elementen,  und  das  ist  ein
colossaler  Fehler,  —  ein  Fehler  freilich,  der  danach  aussioht,
als  hätte  man  mit  den  Bekennern  aller  Religionen  und  Confessionen
  vor  allen  Dingen  ein  blos  materielles  Associatiorisgeschäft
  einleiten  wollen.  Eine  solche  Materialität  dürfte  sich
aber  an  der  Association  rächen;  unter  allen  Umständen  wird
sie,  um  sich  auf  der  Höhe  der  Zeit  zu  halten,  der  Durchdringung ­
  mit  entschiedeneren  Geistesrichtungen  bedürfen.  Die
Bakuninsche  Mesalliance  mit  ihr  und  die  darauf  folgende
Sonderalliance  des  fanatischen  Russen,  der  mit  den  Antrieben
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.