Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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von  ungefähr  50  Jahren  in  einem  Monat  alles  für  die  Finanzen
nöthige  Geld  und  die  Bereicherung  von  Jedermann  in  Aussicht
stellte,  so  war  dies  eben  nichts  als  eine  sehr  begreifliche  Illusion. ­
  Er  urtheilte  über  die  Möglichkeiten  nach  dem  innern
und  allgemeinen  Wesen  der  Sache,  wie  er  sich  dieselbe  unabhängig ­
  von  der  bcsondern  Beschaffenheit  der  Regierungsporsonen,
  der  Zustände  und  der  Menschen  seinen  Voraussetzungen
entsprechend  vorstellte.  Eine  derartige  Auffassung  ist  in  ariuern
  Gebieten  des  Wissens  und  Könnens  bei  den  berühmtesten
Persönlichkeiten  häutig  genug  vorgekommen,  und  wenn  sich
z.  B.  ein  Roger  Bacon  anheischig  machte,  die  ganze  zu  seiner
Zeit  bekannte  Mathematik  in  8  Tagen  beizubringen,  so  hat
man  sich  zu  hüten,  sofort  eine  gewöhnliche  Grosssprecherei
anzunehmen.  Auch  in  der  allerneusten  Zeit  haben  sich  sehr  berühmte ­
  Nationalökonomen  zur  Aeusserung  von  Vorstellungen  bewogen ­
  gefunden,  die  den  Perspectiven  Boisguilleberts  mindestens
gleichkamen.  Wir  dürfen  also  seine  Arbeiten  um  jener  Illusion
willen  nicht  in  den  übrigen  Beziehungen  herabsetzen.  Das
Einzige,  wozu  wir  gegründete  Veranlassung  haben,  ist  Vorsicht
gegen  die  anderweit  naheliegenden  Abirrungen  seiner  Imagination ­
  und  Leidenschaft,  und  hier  dürfte  besonders  die  in  den
Zahlenbestimmungen  unterlaufende  Poesie  nicht  zu  vergessen
sein.  Man  darf  ihm  dieselbe  jedoch  in  der  damaligen  Zeit  bei
dem  Mangel  einer  eigentlichen  Statistik  nicht  zu  hoch  anrechnen, ­
  zumal  ja  auch  der  in  dieser  Beziehung  nach  Zuverlässigkeit ­
  strebende  und  überhaupt  gediegen  und  gesetzt  verfahrende ­
  Vauban  mehrfach  zu  Angaben  gelangt  ist,  welche
heute  als  vollständige  Unmöglichkeiten  erkannt  werden.  Wenn
ausschweifende  Schätzungsangaben  dem  mit  unverkennbarer
Ruhe,  Festigkeit  und  Klarheit  denkenden  Ingenieur  und  zugleich ­
  dem  Manne  begegnen  konnten,  den  die  Franzosen  an  die
Spitze  der  Entstehungsgeschichte  der  Statistik  stellen,  so  wird
man  es  bei  dem  Lieutenant-General  von  Rouen  nicht  überraschend ­
  finden  dürfen,  dass  er  seine  von  bedeutenden  praktischen
Zielen  eingenommene  Phantasie  oft  genug  nicht  im  gehörigen
Gleichgewicht  erhalten  hat.  Die  Unbestimmtheit  der  Thatsachen,
aus  denen  er  seine  Schlüsse  zu  ziehen  hatte  und  für  welche  er  sich
allzu  sehr  auf  die  eignen  praktischen  Anschauungen  angewiesen
sah,  macht  das  Schweifen  der  Ideen  nur  zu  erklärlich.  Ja  die
eigne  Erfahrung  musste  hier  oft  irreleiten,  da  sie  sich  unmit-
            
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