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XXV 1.
vom Standpunkte der ökonomischen Zweckmäfsigkeit, wurde
fast als Schmähung, als Verleumdung der britischen Politik
empfunden.
Unsere heutige, realistischer denkende Wissenschaft be
gnügt sich nicht mehr mit derartigen Erklärungen. Dafs über
zeugungstreue Idealisten, Männer wie Wilberforce, Clarkson,
Ramsay u. a., an deren Ehrenhaftigkeit keinen Augenblick
zu zweifeln ist, die Abolitionsbewegung entfacht, geschürt und
zum Siege geführt haben, erkennt sie willig an. Doch ver
langt sie auch eine Untersuchung der materiellen Seite des
Vorganges. Nach den teilweise vorzüglichen Darstellungen
über die wirtschaftspolitische Seite der nordamerikanischen
Sklavenemanzipation vermifst sie entsprechende Untersuchungen
über die ein halbes Jahrhundert früher erfolgte britische Abo
lition. Man glaubt heute nicht mehr, dafs ein Staat wie Grofs-
britannien, der jederzeit als das Muster von Klugheit und
nüchterner Geschäftspolitik galt, seinen einträglichen, Jahr
hunderte hindurch geduldeten Sklavenhandel plötzlich einer
philantropischen Doktrin zuliebe hätte verbieten können. Es
müssen sich noch andere Motive dahinter verbergen.
Was berechtigt uns zu der Annahme, dafs England doch
wohl nicht so ganz selbstlose Ziele verfolgte, als es sich end
lich nach 20jährigem Kampfe im Jahre 1807 zur Aufhebung
des Negerhandels entschlofs? Zunächst ein seltsames, der Abo
lition vorangehendes, im Jahre 1785 erlassenes Gesetz (25. Geo.
III, c. 67), welches britischen Schiffen den Import von weifsen
Arbeitern in die abgefallenen nordamerikanischen Kolonien
bei Strafe verbot, „worin wir weit weniger eine Humanitäts
bestrebung zu sehen haben als den Wunsch, die abgefallenen
Kolonien in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zu hindern
und für ihren Freiheitsdrang zu strafen!“ (S. v. Waltershausen,
S. 66). Auch die besonderen Zeitumstände, unter denen die
Abolition beschlossen wurde, können stutzig machen. Mitten
in dem Entscheidungskampfe auf Tod und Leben zwischen
England und Frankreich! Reformen rein freiwilligen Charakters
pflegen sonst in friedlicheren Zeiten vorgenommen zu werden.
Sodann die lange Dauer des Abolitionskampfes! „Über den
Negerhandel“, schreibt ein Schriftsteller, „ist mit derselben
Kühle und Gelassenheit im Parlament gestritten worden wie
über den Stockfischhandcl an der neufundländischen Küste!“
Dafs auch nicht der Abscheu gegen die Sklaverei England zur
Abolition veranlafst haben kann, lehrt der 1860 ausgebrochene
Sezessionskrieg der Union, in welchem England offen mit den
Sklavenstaaten sympathisierte.
Doch die besten Beweise dafür, dafs die Abolition mit
wichtigen wirtschaftlichen und politischen Interessen Grofs-
britanniens verknüpft war, liefern die Abolitionisten selbst.
Als am 6. Februar und am 23. März 1807 nach der zweiten