350 Siebentes Buch. Zweites Kapitel.
die Reform überhaupt, gegen die geistigen Strömungen, die in
wachsender Verstärkung seit fünf Generationen die Welt zu
beherrschen begonnen hatten, erklärte er sich gegen den Genius
des Zeitalters. Ein aussichtsloser Kampf war eröffnet. Gregor
aber bannte ihn auf der Fastensynode 1081 zum dritten Male
und verteidigte sein Exkommunikationsrecht bald darauf in
einem berühmt gewordenen Schreiben an seinen Freund, den
Bischof Hermann von Metz.
Freilich, die nächste Zukunft war Heinrich noch günstig.
Von Trier aus sammelte sich eine starke publizistische Opposition
gegen den Papst. Hier verfaßte der Scholastikus Wenrich in
Form eines Briefes an Gregor eine wirkungsvolle Schutzschrift
für den König. Gregor selbst aber wußte den Maßregeln, die
Heinrich von Deutschland aus geplant hatte, nicht schleunig
genug Gewalt entgegenzusetzen; die Normannen zauderten mit
dem kriegerischen Marsch gegen Clemens III., und die papst⸗
treuen Vasallen der tuscischen Gräfin wurden von Heinrichs
Parteigängern am 15. Oktober 1080 bei Volta am Mincio
zersprengt.
Und nun erschien Heinrich nach erfolglosen Verhandlungen
mit den Sachsen selbst in Italien. Ende März 1081 über—
schritt er die Alpen, zu Pfingsten nahte sein Heer der ewigen
Stadt. Aber die geplante UÜberrumpelung mißlang. Wie so
oft, wenn sich ihnen ein deutscher Kriegszug nahte, schlossen
auch diesmal die Römer trotz früherer Zwiste mit dem Papst
den Deutschen die Thore, und Heinrich sah sich außer stande,
sie gewaltsam zu öffnen. Günstiger begann ein zweiter Zug
gegen Rom, Januar 1082, zu verlaufen. Der König hatte sich
mit Belagerungsmaterial versehen; sein Papst Clemens III.
übernahm den dauernden Befehl über die einschließenden
Truppen; allen Ernstes war eine Erstürmung oder Aus—
hungerung der Stadt beabsichtigt. Und gleichzeitig ward die
äußere Lage für den eingeschlossenen Gregor immer ungünstiger.
Die Lombardei hing am König, die tuscische Großgräfin war
matt gesetzt. Die Normannen wandten sich, nachdem sie die
Sarazenen aus Sizilien vertrieben hatten, gegen die Griechen