Object: Die deutsche Wirtschaft

Der Binnengroßhandel, 437 
oder jedenfalls nicht ähnlich preiswürdig ersetzt werden kann, trotz 
der scharfen Kämpfe, welche Konsumgenossenschaften, 
Einkaufsvereinigungen der Detailhändler usw. gegen den 
Großhandel führen, 
Bevor wir auf dieses Gebiet übergehen, wollen wir noch einen 
kurzen Überblick geben über die wichtigsten Gebiete, für deren Be- 
herrschung der Großhandel prädestiniert ist. Wir sahen bereits ver- 
schiedentlich, daß der Handel mit Rohstoffen oder Urerzeugnissen ein 
besonderes Spezialgebiet des Handels bleiben wird, wenngleich nicht 
zu verkennen ist, daß Großbetriebe immer wieder versuchen, sich von 
dem Handel unabhängig zu machen und ihre Rohstoffe selbst aus dem 
Auslande zu beziehen, z, B. Baumwollspinnereien Baumwolle, Woll- 
wäschereien, Wolle, Ölmühlen, Ölfrüchte und Ölsaaten. Die Aus- 
schaltung des Großhandels fällt dort am leichtesten, wo in 
der Qualität verhältnismäßig gleichbleibende Rohstoffmengen im Er- 
zeugungslande anfallen, so daß eine Sortierung bzw. Spezialisierung 
der Erzeugnisse überflüssig wird und das Qualitätsrisiko keine bedeut- 
same Rolle spielt. Aus diesem Grunde sehen wir auch, daß die Be- 
schaffung der Erzeugnisse des Bergbaues (Kohle, Eisenerze, metal- 
lische Erze) in immer wachsendem Umfange von den Hütten bzw. 
weiterverarbeitenden Industrien in eigene Regie unter Ausschaltung 
des Handels genommen wird, Anders liegt es jedoch bei den Erzeug- 
nissen der Land- und Forstwirtschaft, vor allen Dingen der 
überseeischen, weil hier der Charakter der Ware — Getreide, Vieh, 
Kolonialwaren, Weine, Hölzer, Kaffee, Häute und Felle — so ver- 
schieden ist, daß die Einschaltung des Handels unbedingt nötig er- 
scheint, um der Industrie bzw. dem Konsum jene stets gleichmäßig 
bleibende Qualität zu sichern, welche entweder für die weitere Fabri- 
kation oder für den letzten Verbraucher von unerläßlicher Not- 
wendigkeit ist, 
Die Bedeutung des Absatz-Großhandels wird in all den 
Fällen nicht durch ausschaltende Tendenzen erheblich gefährdet 
werden können, wo starke Schwankungen in der Mode oder Viel- 
gestaltigkeit des Bedarfes bzw. nichtübersehbare Kreditwürdigkeit 
der Abnehmer ein Risiko schaffen, welches der Produzent von seinem 
Standort aus nicht übersehen kann, abgesehen von der Unmöglichkeit, 
die in großen Mengen hergestellte Ware in die weitverzweigten 
Kanäle des Bedarfes zu bringen. Je verschiedenartiger der Bedarf 
der Abnehmer Detailgeschäfte) ist und je weiter die hier- 
für benötigten Industrien auseinanderliegen, desto wichtiger wird die 
Funktion des Großhandels als Verteilungsgrossist, der auf 
seinem Lager eine Unzahl von Mustern, Warenproben und zusammen-
	        
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