438 Walther Basson:
gestellten Sortimenten der verschiedensten Provenienzen vereinigt;
nur ein solcher Verteilungsgrossist ist in der Lage, den außerordentlich
vielseitigen Bedarf des Detailhandels, der sich wieder nach seiner
Kundschaft richten muß, zu befriedigen, In diesem Zusammenhang
steht auch die Beobachtung, daß sich der Großhandel von dem Sitz der
Fabriken fort in die großen Verkehrsmittelpunkte, z. B. Berlin, zieht,
um dem Konsum möglichst nahe zu kommen. Wie wir noch an anderer
Stelle sehen werden, haben der Sortierer, der Engros-Sortimenter und
der Kreditgrossist ihr Dasein auf starken Fundamenten gebaut, die von
der Produktion nicht so leicht erschüttert werden können.
Dennoch darf nicht verkannt werden, daß nach wie vor dem Großhandel
insofern große Gefahren drohen, als die Industrie mit allen
Mitteln versucht und bemüht ist, auch ihrerseits in direkte Fühlung
mit dem Konsum zu kommen durch Errichtung weitverzweigter
Fabriklager im In- und Auslande, durch Bildung eines Netzes von
Agenten und Vertretern, die ihrerseits wieder den Detailhandel
besuchen, um diesem die Ware der Fabrik zu offerieren.
Großhandel, Genossenschalten und Kartelle,
Besondere Gefahren drohen dem Großhandel von seiten des Konsums
in Gestalt der Genossenschaften, die in den letzten
Jahren in immer größerem Umfange an Gewicht und Bedeutung gewonnen
haben. Der Kampf der Genossenschaften um ihre Anerkennung
als Großhändler ist schon seit Jahren mit zäher Erbitterung geführt
worden. Denn die Genossenschaften legten größten Wert darauf, die
gleichen Bezugsbedingungen, wie sie der Großhändler hat, für sich von
den Industrien zu erwirken. Eine besondere Gefahr beruht besonders
in dem Umstande, daß zweifellos in der Gesetzgebung und öffentlichen
Verwaltung eine gewisse Tendenz vorherrscht, die Genossenschaften
besonders bevorzugt zu behandeln, und zwar gerade auf steuer -
lichem Gebiete. Auch sonst trat sehr häufig eine erhebliche
Überspannung insbesondere der konsumgenossenschaftlichen Ansprüche
hervor, Ansprüche, die besonders die Gestaltung der Produktion
betrafen, welche die Konsumvereine allmählich in die Hand
zu nehmen gedenken (z. B. Großbäckereien, Seifenfabriken) und deren
Gefahr offenbar in weiten Kreisen der Industrie noch nicht beachtet
worden ist, wahrscheinlich, weil die Industrie vorläufig noch nicht von
diesem Vordringen der Konsumvereine bedroht wird, Die Genossenschaften
sind im übrigen in ihrer genossenschaftlichen Wirtschaftsführung
innerhalb der Wirtschaft durchaus ebenso egoistisch wie die
Privatwirtschaft selbst, und auch die bei ihnen zum Austrag gebrachten
Lohnkämpfe zeigen deutlich, daß auch die Genossenschaften höhere