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Nehmen wir nun an, so sagt Marx, sechs Stunden Arbeit täglich seien
nötig, um, die Arbeitskraft herzustellen und ebensoviel und ebensolche Ar
beitszeit stecke in drei Schillingen oder einem Taler. Dann kann der Kapi
talist diese Arbeitskraft zu ihrem Werte, d. h. für drei Mark täglich kaufen.
Nichts aber hindert den Kapitalisten, der ja die Verfügung über die Ar
beitskraft für einen Tag gekauft hat, sie anstatt sechs Stunden volle 12
Stunden auszunutzen. Dias ergibt einen ^Unterschied von sechs Stunden zu
Gunsten des Kapitalisten. Sechs Stunden nur sind im Lohne bezahlt, der
die Herstellung der Arbeitskraft möglich macht, die anderen sechs Stunden
sind unbezahlte Arbeit, Mehrarbeit, Mehrprodukt, Mehrwert. (S. 135—139
a. a. O.) Der ganze Unternehmergew-inn beruht also nach dieser Lyhre
lediglich darauf, daß der Kapitalist dem Arbeiter nur einen Teil der von
ihm geleisteten Arbeit bezahlt. Für die sozialdemokratische Tagesagitation
bildet zwar diese düstere Lehre eine treffliche Waffe — und -noch heute spielt
sie in der Presse der „Unabhängigen Sozialdemokratie" eine erhebliche
Rolle;— aber entscheidende Schlüsse für seinen Sozialismus hat der Meister
selber aus ihr niemals gezogen.
Diese ganzen stolzen Gedankengebäüde mögen manche einzelne Wahr
heiten in sich schließen, aber in ihrer Gesamtheit sind sie nichts als luftige
Hegelsche Konstruktionen!. Eine gewaltige Verkennung der blühenden Wirk
lichkeiten des Wirtschafts- und Geisteslebens will es Zunächst bedeuten, alle
und jegliche, doch so unendlich verschiedene menschliche Arbeitskraft auf eine
„gesellschaftlich notwendige Durchschnittsarbeitskraft und Arbeitszeit" zürück-
führen zu wollen. -Völlig unverständlich ist es, wie man den frei schöperi-
schen Genius eines Dürer oder Goethe, eines Kant oder Luthers mit der
Arbeitskraft eines ehrenwerten Ackerknechts oder Latrinenfegers auch nur
im entferntesten vergleichen wag. Niemals wird man selbst bei der scharf
sinnigsten Betrachtung anzugehen in der Lage sein, wieviel „gesellschaftlich
notwendige Durchschnittsarbeitszeit" denn zur Schaffung des Abendmahls
oder des Faust erforderlich gewesen sei. Aber wir brauchen nicht einmal
zu den Heroen der Menschheit zu gehen, selbst um die zur Herstellung eines
jeden besseren Romans oder jedes den Durchschnitt einigermaßen über
ragenden Gedichts oder einer Statue oder eines Gemäldes oder eines
brauchbaren wissenschaftlichen Werkes erforderliche gesellschaftliche Arbeits
zeit festzustellen, fehlt es an allem und jedem Anhalt. Nur wenn man
geflissentlich wie Marx seine- Augen vor der Bedeutung der leitenden Tätig
keit des Unternehmers, des Oberingenieurs, des Generaldirektors völlig
verschließt, kann man die einfache ungelernte physische Arbeit als Wertmaß-
stab zu Grunde legen. Stets wird auch das subjektive Moment bei
der Wertschätzung die größte Rolle spielen. Marx wird aber auch in keiner
Weise bei seiner Lehre der ungeheuren Bedeutung der Seltenheitswerte
und insbesondere der natürlichen und rechtlichen Monopole in unserer Wirt
schaft gerecht. Die Werte und Preise unserer Grundstücke, der städtischen wie
der ländlichen, und der Bergwerke richten sich in nichts nach der auf ihre
Bestellung und Instandhaltung verwandten menschlichen Arbeitskraft, nicht
der Arbeitsaufwand, fei es an körperlicher oder geistiger, erzeugt die ge
rade in den letzten Jahrzehnten in Deutschland wie allenthalben in der
ganzen Kulturmenschheit sprunghaft in die Höhe schnellenden Grundrenten,