Full text : Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

I.  Tlieil.  Statistik  der  Anträge,  Ablehnungen,  Aufnahmen  und  Abgänge.

t

V.  Kapitel.
Beruf,  Geschlecht  und  Beitrittsalter  der  Versicherten.
Hingesehen  auf  den  Beruf  unterscheiden  wir  15  Hauptklassen. ­
  Die  meisten  derselben  sind  wieder  in  Unterklassen
geschieden,  welche  aber  in  der  gegenwärtigen  statistischen
Publication  nirgends  zur  Erscheinung  kommen,  und  nur  um
deswillen  sorgfältig  fortgeführt  werden,  weil  es  wünschenswert!!
sein  kann,  einmal  für  einen  einzelnen  Berufszweig,  beispielsweise
für  die  Angehörigen  eines  bestimmten  Handwerkes,  für  gewisse
Verkehrsbeamte,  für  Bergleute  einer  gewissen  Kategorie  u.  s.  w.,
ganz  eingehende  Sterblichkeits-Untersuchungen  anzustellen,  zu
welchem  Zwecke  die  grossen  Klassen  zu  gemischt,  die  Unterklassen ­
  aber  zur  Zeit  noch  durchweg  viel  zu  schwach  besetzt ­
  sind.
Die  Einteilung  der  Hauplklassen  folgt  weniger  einem
wissenschaftlichen  Princip,  als  dem  praktischen  Bedürfnisse.
Dabei  musste  unter  Anderem  auch  darauf  Rücksicht  genommen
werden,  dass  in  den  Anmeldungen  zur  Versicherung  der  Lebensberuf ­
  des  Antragstellers  oft  nicht  mit  der  genügenden  Bestimmtheit ­
  bezeichnet  wird,  dass  aber  nichts  destoweniger  eine
annähernd  zutreffende  Einreihung  sämmtlicher  Versicherten  in
die  Rubriken  des  aufgestellten  Schemas  möglich  gemacht  werden
musste.  Diese  Arbeit  hat  ihre  besonderen  Schwierigkeiten;  der
einzelne  Fall  erfordert  oft  viel  Nachdenken  und  allerhand  Combinationen.
  Die  gewählte  Klasseneinteilung  und  Bezeichnung
hat  sich  dabei  bisher  im  Ganzen  gut  bewährt.  Aber  man
verhehlt  sich  nicht,  dass  der  Beruf  der  Versicherten  zur
Zeit  der  Aufnahme  für  den  Lebensversicherungs-Statistiker
doch  nur  in  einer  Richtung  von  Interesse  ist,  und  dass  die
mehrseitig  interessante  Berufs  -  Statistik  des  Versicherten-Bestandes ­
  —  die  Klassen-Einteilung  und  Bezeichnung  mag
auch  noch  so  glücklich  gewählt  sein  —  um  deswillen  der
Zuverlässigkeit  ermangelt,  weil  die  beobachteten  Versicherten
nicht  immer  derjenigen  Berufsklasse  eingereiht  werden  können,
welcher  sie  am  längsten  angehört  haben,  sondern,  ohne  Rücksicht ­
  auf  etwaigen  Berufswechsel,  derjenigen  Klasse  verbleiben
müssen,  welcher  sie  zur  Zeit  der  Aufnahme  angehörten.
Wie  Tabelle  VII a  zeigt,  wurden  in  dem  ganzen  fünfzigjährigen ­
  Zeiträume  5352  Personen,  und  zwar  576  männliche
und  4776  weibliche,  aufgenommen,  welche  keinem  benannten ­
  Berufszweige  angehörten,  oder  denselben  nicht
angegeben  hatten  (Kl.  1),  und  53  männliche  Personen  (Kl.  XV),
welche  nicht  in  irgend  einer  der  übrigen  14  Klassen
unterzubringen  waren.  Unter  den  4776  weiblichen  Personen ­
  der  Klasse  I  befinden  sich  ohne  Zweifel  viele,  welche
zur  Zeit  der  Aufnahme  einem  bestimmten  Berufszweige  angehörten, ­
  denselben  aber  in  der  Declaration  nicht  angegeben
haben;  die  $76  Männer  der  Kl.  I  werden  in  der  That  zur
Zeit  der  Aufnahme  mit  wenigen  Ausnahmen  wirklich  geschäftslos,
vermögende  Leute  ohne  bestimmten  Beruf,  gewesen  sein.
Die  mit  Rücksicht  auf  den  Beruf  der  Beitretenden  gebildeten ­
  fünfzehn  Klassen  rangiren  nach  der  Zahl  der  ihnen  angehörigen
  Personen,  welche  in  dem  ganzen  fünfzigjährigen
Zeiträume  eintraten,  folgendermaasen:
I.  Staats-,  Kirchen-,  Schul-  und  Gemeinde-Beamte
mit  31  628  Eingetr.

2.  Handeltreibende  »  14  577  »
3.  Gewerktreibende  »  12462  »
4.  Transportbetriebs-Personal  ...»  5  7^1  »
5.  Berufslose  »  5  35 2  »
6.  Aerztliches  Personal  »  3  803  »
7.  Landwirthe  »  2613  »
8.  Militärpersonen  »  2  179  »

mit  2  177  Eingetr.
»  I  859  »
»  972  »
»  970  »  '
»  806  »
»  109  »
53
vier

»
Klassen

9.  Forst-Beamte  und  Bedienstete
10.  Künstler
11.  Persönliche  Dienste  Leistende
12.  Ingenieurs,  Givilingénieurs  ele.
13.  Bergleute  und  Bergbeamte  .
14.  Privatgelehrte
15.  Diverse  Berufszweige  .  .  .
In  allen  fünf  Jahrzehnten  behaupten  nur
ihren  Rang  durchweg,  nämlich
die  II.  Klasse  (Staats-  etc.  Beamte)  den  ersten  Rang,
»  VII.  »  (Landwirthe)  den  siebenten  Rang,
»  IV.  »  (Privatgelehrte)  den  vierzehnten  Rang,
»  XV.  »  (Diverse  Berufszweige)  den  fünfzehn  ten  Rang.
Alle  anderen  Klassen  wechseln  den  Rang  ein  oder
mehrere  Male.
Täio  III  k r li««p  (Apr7.tlic.hps  Personal!  behauntet  in  den

ersten  3  Jahrzehnten  den  fünften  und  sinkt  im  vierten  auf
den  sechsten  Rang,  den  sie  im  letzten  Jahrzehnt  behauptet.
Die  V.  Klasse  (Künstler)  finden  wir  im  ersten  Jahrzehnt
im  neunten,  im  zweiten  im  achten,  im  dritten  und  vierten
im  neunten,  im  fünften  im  zehnten  Range.
Die  VI.  Klasse  (Persönliche  Dienste  Leistende)  steht  im
ersten  und  dritten  Jahrzehnt  im  elften,  im  zweiten,  vierten
und  fünften  im  zwölften  Range.
Die  VIII.  Klasse  (Forstbeamte  und  Bedienstete)  behauptet
in  allen  Jahrzehnten  den  achten  Rang,  nur  im  zweiten  sinkt

sie  in  den  neunten.
Die  IX.  Klasse  (Bergleute  und  Bergbeamte)  finden  wir  im
ersten  Jahrzehnt  im  zwölften,  im  zweiten  im  elften,  in
den  drei  folgenden  im  dreizehnten  Range.
Die  X.  Klasse  (Handeltreibende)  behauptet  in  den  ersten
drei  Jahrzehnten  den  zweiten  Rang,  sinkt  im  vierten  auf  den
dritten  und  kehrt  im  fünften  auf  den  zweiten  zurück.
Die  XI.  Klasse  (Transportbetriebspersonal)  finden  wir  in
den  ersten  beiden  Jahrzehnten  im  zehnten,  im  dritten  im
sechsten,  im  vierten  und  fünften  im  vierten  Range.
Die  XII.  Klasse  (Ingenieurs,  Civilingenieurs,  Geodäten)  steht
in  den  ersten  beiden  Jahrzehnten  im  dreizehnten,  im  dritten
im  zwölften,  im  vierten  und  fünften  im  elften  Range.
Die  XIII.  Klasse  endlich  (Gewerktreibende)  finden  wir  stets,
ausser  im  vierten  Jahrzehnt,  wo  sie  in  den  zweiten  Rang
aufrückt,  im  dritten  Range.
Sehr  verschiedene  Motive  beeinflussen  solchen  Rangwechsel  ;
ist  die  Verschiebung  sehr  stark  und  wird  der  neue  Rang  nicht
nur  mit  kleinen  Ziffern  erobert,  so  sind  die  Haupteinflüsse  meist
nachweisbar.  Das  Aufrücken  der  XI.  Klasse  z.  B.  im  dritten,
ihr  noch  weiteres  Aufrücken  im  vierten  und  fünften  Jahrzehnt
hängt  sicher  mit  dem  Aufkommen  und  dem  raschen  Wachsthume
  eines  ganz  neuen  Beamtenstandes  seit  den  Vierziger
Jahren,  nämlich  des  Eisenbahn  -  Beamtenstandes,  dann  aber
damit  zusammen,  dass  erst  die  preussische,  dann  die  Reichs-Postverwaltung
  ihre  Fürsorge  für  das  ihr  untergebene  Personal
durch  Beförderung  und  Erleichterung  des  Eintrittes  in  Lebensversicherungsanstalten ­
  bethätigte,  und  dass  so  auch  der  Leben>-versicherungsbank
  f.  D.  zahlreiche  Versicherungen  von  Beamten
dieser  Kategorie  zugeführt  wurden.
Dass  die  Klasse  der  Staats-,  Kirchen-,  Schul-  und  Gemeinde-,
Beamten  durch  alle  Jahrzehnte  den  ersten,  die  der  Handeltreibenden ­
  wenigstens  durch  vier  Jahrzehnte  und  im  Ganzen
den  zweiten,  die  der  Ge  werkt  reibenden  wenigstens  durch
vier  Jahrzehnte  und  im  Ganzen  den  dritten  Rang  einnehmen,
zeigt  deutlich,  in  welchen  Bevölkerungsklassen  die  Bank  in  den
verflossenen  fünfzig  Jahren  ihre  Hauptclientei  gefunden  hat.
Diesen  drei  Klassen  entstammten  nahezu  69 0  0  aller  Beigetretenen. ­

            
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