Full text : Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

II.  Theil.  Statistik  der  Sterketalle.

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setzt  sind,  so  wird  das  Gewicht  von  23,75  %  aller  dieser
Fälle  für  die  ersten  fünf  Versicherungsjahre  als  sehr  belastend
erscheinen.  Insbesondere  in  Verbindung  mit  dem  im  fünften
Kapitel  oben  constatirten  mächtigen  Einflüsse  der  Vererbung ­
  enthält  diese  starke  Concentrirung  der  Lungenschwindsucht-Sterbefälle ­
  auf  die  ersten  Versicherungsjahre  eine  sehr
ernste  und  deutliche  Mahnung.
Bei  keiner  der  obigen  zwanzig  Krankheitsformen  liegt  der
Schwerpunkt  der  Mortalität  schon  in  der  ersten  fünfjährigen
Periode  der  Versicherung;  nur  bei  dem  fünften  Theile  derselben
übersteigt  die  Mortalität  in  den  fünf  ersten  Jahren  25  °/o  der
Gesammt  -  Mortalität.  Dies  wird  man  um  so  mehr  als  eine
Folge  der  >Auswahl«  betrachten  dürfen,  als  der  starke  Zuwachs
neuer  Versicherter  in  den  letzten  Jahren  die  Zahl  der  kurze
Zeit  versichert  Gewesenen  erheblich  vermehrt  hat,  und  demnach
auch  die  Zahl  der  nach  kurzer  Versicherungsdauer  Verstorbenen
eine  absolut  grössere  geworden  ist.

(Es  starben
im
im  1.  Jahrzehnt
»  II.  »  -
»  III.  »
»  IV.  »
»  V.  »

I.  2.  3.  4.  5.
Vers  -Jahre
103  107  93  100  72
91  121  104  118  130
81  120  131  107  123
in  114  134  131  138
140  196  234  265  233.)

Von  den  in  Folge  von  Selbstentleibung  Gestorbenen
starben  22,93  %  nach  einer  Versicherungsdauer  von  O  —  5,
21,95  %  nach  einer  solchen  von  6  —  IO,  20,50  %  nach
einer  solchen  von  11  —  15,  15,12  %  nach  einer  solchen  von
16  —  20  Jahren,  zusammen  also  80,50  °/o  nach  einer  Versicherungsdauer ­
  von  0—20  Jahren.  Mit  Rücksicht  auf  den  mehrerwähnten ­
  Umstand,  dass  die  Zahl  der  Jungversicherten  eine  verhältnissmäsig
  grosse  war,  mag  es  seine  Bedenken  haben,  auf  das
hier  constatirte  beträchtliche  Gewicht  der  frühzeitigen  Sterblichkeit
in  Folge  von  Selbstentleibung  den  Schluss  zu  stützen,  dass
eine  verhältnissmäsig  grosse  Zahl  von  Selbstentleibungen  etwa
zur  Zeit  des  Eintrittes  in  die  Lebensversicherung  schon  prämeditirt
  gewesen  oder  durch  die  Versicherung  hervorgerufen
worden  sei.  Angesichts  einer  Vergleichung  mit  dem  allgemeinen ­
  Mortalitätsgewicht  der  ersten  Versicherungsperiode
kann  man  diesen  Gedanken  aber  doch  nicht  ganz  von  sich
weisen.  Es  starben  nach  einer  Versicherungsdauer  von  o—5
Jahren  14,98  %  aller  Gestorbenen  und  22,93%  aller  in  Folge
von  Selbstentleibung  Gestorbenen  !
Dass  die  Sterbefälle  an  Altersschwäche  ihr  Gewicht
in  den  höheren  Versicherung^-Jahren  vorzugsweise  geltend
machen  und  bei  einer  längeren,  als  der  ersten  fünfzigjährigen,
Beobachtungsperiode  noch  mehr  geltend  machen  würden  ,  versteht ­
  sich  von  selbst.  Wie  oben  bemerkt,  beträgt  das  Durchschnittsalter ­
  der  an  Altersschwäche  Gestorbenen  76,35  Jahre.
Die  äusserste  Altersgrenze  für  den  Eintritt  neuer  Mitglieder  bei
der  Gothaer  Bank  liegt  hinter  diesem  Durchschnitt  schon  um
16,35—9,35  Jahre  zurück!  Eine  Vergleichung  der  allgemeinen
Sterblichkeit  mit  der  Sterblichkeit  an  Altersschwäche  giebt  fol-  !
gendes  beachtenswerthe  Bild.
Es  starben
von  allen  Verstorbenen  überhaupt  %
im  I.  II.  HL  IV.  V.
Jahrfünft  der  Versicherungsdauer
14,98  16,23  1548  14,78  13,10
im  VI.  VIL  VIII.  IX  X.
Jahrfünft  der  Versicherungsdauer
I0,60  7,42  4,87  2,12  0,42

von  den  an  Altersschwäche  Gestorbenen  %
im  I.  II.  111.  IV.  V.
Jahrfünft  der  Versicherungsdauer
0,12  1,37  6,67  11,23  15,35
im  VI.  VIL  VIII.  IX.  X.
Jahrfünft  der  Versicherungsdauer
20,66  18,41  14,71  9,24  2,24
Für  Vergleichungen  dieser  Art  bietet  die  Tab.  XVII
noch  mancherlei  Stoff.  —

IX.  Kapitel.
Die  Sterblichkeit,  wie  sie  nach  den  Berechnungen
der  Bank  zu  erwarten  war,  verglichen  mit  der
wirklichen  Sterblichkeit.

Zu  Tab.  XVIII  bedarf  es  nur  weniger  Worte  der  Erläuterung. ­
  Vergleicht  man  den  Abgang  durch  Tod,  welcher
in  jedem  der  fünfzig  Beobachtungsjahre  an  Personen  und  Versicherungs-Summen ­
  nach  der  Sterblichkeitstabelle  der  Bank  zu
erwarten  war,  mit  dem  wirklichen  Abgänge  dieser  Art,  so  zeigt
sich,  dass  dieser  Abgang  hingesehen  auf  die  Personen  nur  in
fünfzehn,  hingesehen  auf  die  Summen  nur  in  vierzehn  Jahren
grösser  war,  als  der  Erwartung  entsprach,  und  dass  im
Ganzen  der  wirkliche  Abgang  von  22017  Personen  mit
114,905600  jfl.  Versicherungs-Summe  um  937  Personen  und
6,801  398  JL  hinter  demjenigen  zurückblielf,  auf  welchen
man  nach  der  Sterblichkeitsliste  der  Bank  gefasst  sein  musste.
Diese  Mindersterblichkeit,  welche  hingesehen  auf  die  Personen
4,08  und  hingesehen  auf  die  Summen  5,6  %  beträgt,  wird
man  als  eine  sehr  geringfügige  betrachten,  im  Ganzen  also
die  Sterblichkeitsliste  der  Bank  als  wohlbewährt  bezeichnen
dürfen,  und  mit  um  so  grösserer  Beruhigung  auch  der  fernerweiten ­
  Benutzung  dieser  wichtigen  Rechnungsgrundlage  entgegensehen ­
  können,  je  mannigfaltiger  in  den  hinter  uns  liegenden ­
  fünfzig  Jahren  die  äusseren  Einflüsse  waren,  von  denen
man  eine  Alterirung  des  Gleichgewichtes  hätte  erwarten  können,
denen  sie  aber  in  so  vorzüglicher  Weise  Stand  gehalten  hat.
Fasst  man  die  einzelnen  Jahrgänge  näher  in’s  Auge,  in
denen  eine  Mehr  Sterblichkeit  hingesehen  auf  die  Personen  beobachtet ­
  wurde,  so  scheint  es,  als  wenn  Epidemien,  innere
Unruhen  und  Kriege  ihren  Einfluss  besonders  geltend  gemacht
hätten.

In  den  Rechenschaftsberichten  wird  die  Mehrsterblichkeit
des  Jahres  1832  (7,46%  betragend)  auf  die  damals  noch
herrschende  Cholera  zurückgeführt.

1836  (  5,40%
1837  (  7,64  »
1842  (  2,10  »
1847  (  6,34  »
1848  (16,79  »

1849  (I  I.82  »
1850  (  4,53  »
1853  (  4,69  »
1855  (12,73  »

betragend)  nicht  besonders  erklärt,
»  )  auf  die  herrschende  Grippe  und
Cholera  zurückgeführt,
»  )  nicht  besonders  erklärt,
»  )  desgl.,
»  )  durch  die  herrschenden  politischen
Unruhen  und  die  wiederum  aufgetretene ­
  Cholera  erklärt,
»  )  desgl.,
»  )  auf  Cholera  und  Folgekrankheiten
zurückgeführt,
»  )  auf  Cholera  zurückgeführt,
»  )  auf  Cholera,  Typhus  und  die  mittelbaren ­
  Wirkungen  des  Krimkrieges
zurückgeführt,
            
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