Full text : Lexikon der Handelsgeographie

Vereinigte  Staaten  (Handel;  Verkehrswesen).  521

den  Vereinigten  Staaten  nimmt  nicht
immer  den  bireften  Weg;  sie  geht  vielfach
über  die  Niederlande,  England,  Belgien,
zum  kleinen  Teil  über  Frankreich.  Dagegen ­
  führte  Deutschland  1878—79  fur
2,i  Mill.  Mk.  österreichische  und  für  5.6
Mill,  schweizerische  Fabrikate  aus.  Die
Hauptstärke  des  deutschen  Exports  liegt
vor  allem  in  den  Erzeugnissen  der  Tertilindustrie,
  dann  auch  der  chemischen  und
einzelner  Zweige  der  Metallindustrie.  An
der  gesamten  Einfuhr  von  Baumwollw
  aren  nimmt  England  mit  54,17  Proz.,
Deutschland  mit  35,w  Proz.  teil.  Nächstbedeutend ­
  ist  die  deutsche  Einfuhr  von
Seiden  waren,  worin  Frankreich,  das
mit  54,9  gegen  unsre  28,4  Proz.  beteiligt ­
  ist,  allein  voranstellt.  Bei  der  Einfuhr ­
  von  Wollwarcn  ist  Deutschland  weniger ­
  stark  beteiligt,  ebensowenig  bei  Leinenwaren, ­
  welche  fast  ausschließlich  aus  England ­
  kommen.  Auch  der  Importwert
deutscher  Chemikalien  und  Farbwaren  ist
ein  verhältnismäßig  unbedeutender  und
bei  dem  hohen  Stande  dieser  Industrie  in
Deutschland  und  der  Zollfreiheit  sehr  vieler ­
  Gegenstände  derselben  ein  unbegreiflicher. ­
  Die  Einfuhr  von  Deutschland  stieg
in  jüngster  Zeit  bedeutend,  von  149,5Mill,
m.  in  1879  auf  232,5  M.  fDif.  in  4880.
Clearinghouses.  Die  Umsätze  in
den  22  Clearinghouses  der  Union  während ­
  der  letzten  Jahre  geben  ein  beredtes
Bild  von  dem  geschäftlichen  Aufschwung
wahrend  dieser  Zeit.  Der  Umsatz  ist
von  118,9  Milliarden  Mark  in  1878  auf
163,4  Milliarden  in  1879,  also  um  mehr
als  37  Proz.,  gestiegen.  Drei  Viertel
dieser  Summe  entfallen  auf  New  3)oü
(Umsatz  126  Milliarden),  welches  auch
relativ,  mit  alleiniger  Ausnahme  von
Kansas,  den  größten  Aufschwung,  nämlich
um  46  Proz.  gegen  1878,  zeigt.  Nur  von
Kansas  City  mit  66  Proz.  wird  eS  übertroffen, ­
  ein  Hinweis  auf  die  außerordentliche ­
  Entwickelung  des  »Far  West«.  Charakteristisch ­
  ist  der  Rückgang  bei  San  Francisco ­
  um  21,9  Proz.,  was,  wie  die  verhältni8n#ÍQ
  bet  0anfeïotk,bcr
dort  dominierenden  Socialdemokratie  zugeschrieben ­
  wird.  .
Bankerotte.  Als  cm  günstiges  Zeichen ­

  für  wiederkehrende  Prosperität  muß
die  Verminderung  nicht  allein  der  Anzahl
der  Fallissements,  sondern  auch  der  Passiva ­
  angesehen  werden,  welche  1879  angemeldet ­
  wurden.  Nach  dem  Cirkular  der
Mercaiitile  Agency  von  Dun,  Barlow
u.  Komp,  in  New  Pork  war  1879  die  Zahl
der  Bankerotte  6658,  aber  1880  nur
4735  und  die  Siimme  der  Passiva  im  letzten ­
  Jahr  nur  275,9  Mill.Mk.  gegen  412,2
Mill.  Mk.  in  1879  und  984,5  Mill.  Mk.
in  1878.  Am  ungünstigsten  war  das
Verhältnis  in  den  pacifischen  Staaten;
dort  kam  1879  ein  Bankerott  auf  45  Geschäfte ­
  ,  in  den  östlicheil  auf  85,  in  den
Südstaaten  auf  93,  in  den  Mittelstaateii
auf  100  und  in  den  westlichen  Staaten
auf  159  Geschäfte.
Konsulate.  Das  Deutsche  Reich  unterhält ­
  Berufskonsuln  in:  Chicago,  Cincinnati, ­
  New  Nork,  San  Francisco,  St.
Louis;  Handelskonsuln  in:  Baltimore,
Boston,  Charleston,  Galveston,  Mobile,
New  Orleans,  Philadelphia,  Richmond,
Savannah,  Wilmington;  Vicekonsuln  in
Darien  und  Norfolk;  Konsularagenten
ili  Jndiaiiola  und  Washington.
V.  Verkehrswesen.
1)  Wasserstraßen.  Die  hauptsächlichsten ­
  derselbeii  sind  die,  welche  die  westlichen
und  nordwestlichen  Staaten  mit  Montreal ­
  durch  die  Seen,  den  St.  Lorenzstrom
und  die  kanadische,i  Kanäle  verbinden,  die
Wasserstraße  zwischen  denWest-nndNordweststaateii
  nnb  dem  Hafen  von  New  Pork
über  die  Seen,  den  Eriekanal  und  den  Hudsonfluß,
  der  Missisippi  und  seine  Nebenflüsse. ­
  Mehr  als  30  Kanäle  in  einer  Gesanitlänge
  von  6474  km  erleichtern  die
Schiffahrt.  Dennoch  bewegt  sich  selbst  von
schweren  Gütern,  wie  Kohle  u.  Eisen,  weitaus ­
  der  größte  Teil  auf  den  Eisenbahnen.
2)  Eisenbahnen.  Ein  Eisenbahnnetz ­
  wie  die  Vereinigten  Staaten  hat  kein
andres  Land;  es  steht  dem  Schieucnnetz
von  ganz  Europa  nur  um  20,000  km
nach  und  breitet  sich  jetzt  wieder  in  ungeahnter ­
  Weise  anö.  Am  1.  Jan.  4880  betrugdieGesamtlängeallerBahnen169,424

km,  davon  137,040  km  Hanptgeleise  und
32,384  km  Hülfs-,  Neben-  und  Verbindungögeleise.
  DaS  riesige  Anwachsen  in
            
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