Full text : Laienbrevier der National-Ökonomie

(Einleitung

scheiden,  die,  wenn  sie  zum  Segen  gereichen  sollen,
ein  hohes  Maß  von  nationalökonomischer  Kenntnis  und
von  festen  Prinzipien  voraussetzen.
Das  scheint  beinahe  ein  unmögliches  verlangen.
3um  Glück  befinden  sich  aber  ziemlich  alle  Völker  in
der  gleichen  Lage,  und  die  Fehler  des  einen  werden
durch  die  des  andern  ausgeglichen.
Derjenigen  Nation  aber,  die  an  der  Spitze  nationalökonomischer ­
  Erkenntnis  marschieren  wird,  wird
sich  mit  der  Zeit  auch  die  handelspolitische  Führung
zuwenden,  wenn  sonst  die  ökonomischen  Vorbedingungen
gegeben  sind,  und  da  ist  es  ein  erfreuliches  Zeichen,  mit
welchem  Interesse  und  welcher  Gründlichkeit  sich  fast
alle  Schichten  gerade  unseres  Volkes  mit  den  nationalökonomischen
  Problemen  beschäftigen.  Man  will  lernen, ­
  man  will  sich  orientieren,  denn  es  geht  den
Gewissenhaften  im  Volke  gegen  den  Strich,  daß  sie  an
der  Wahlurne  für  Gesetze  eintreten  sollen,  über  deren
Richtigkeit  und  Tragweite  sie  sich  selbst  keine  Rechenschaft ­
  zu  geben  imstande  sind.
Diesem  Wissensdrange  türmen  sich  nun  zwei  ungeheure ­
  Schwierigkeiten  entgegen.  Erstens  ist  es  den
im  Berufsleben  Stehenden  ganz  unmöglich,  sich  eingehend ­
  mit  den  Werken  der  großen  Nationalökonomen
zu  beschäftigen  und  sich  aus  ihren  Schriften  selbst  zu
orientieren.  Dazu  sind  die  Themata  viel  zu  tiefgründig
behandelt,  und  auch  die  Widersprüche  zu  groß,  denn
vieles,  was  der  eine  mit  vieler  Geistesschärfe  aufbaut,
reißt  der  andere  wieder  ein.  ļ)ier  ist  eine  sichere  Orientierung ­
  ganz  ausgeschlossen,  und  die  sogenannten  populären ­
  Schriften,  sowie  die  Tagesliteratur,  befassen  sich
weist  mit  Einzelfragen,  geben  dem  Laien  aber  nichts
Prinzipielles,  Grundlegendes.  Man  sucht  ihm  gewisser-
            
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