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grofsen und ganzen der nordamerikanisch-westindische Handel,
solange England ihn lenken konnte, als äufserst vorteilhaft
für das Mutterland bezeichnet werden. Letzteres zog schliefs-
lich, wie man den Handel auch ansah, den Hauptnutzen daraus.
Grofsbritannien hatte eine passive Handelsbilanz mit West
indien, letzteres wieder eine solche mit Nordamerika, und
Nordamerika endlich eine solche mit Grofsbritannien. Was
Grofsbritannien nicht durch den direkten Handel mit Sklaven
inseln gewinnen konnte, holte es sich auf dem Umwege über
Nordamerika. Somit konzentrierte sich der Endvorteil zuletzt
in England (Edwards VI, cf. II, S. 380 ff.). Auch die nord
amerikanischen Kolonien fuhren gut dabei; denn ihr Export
handel zu den Inseln gab der oben erwähnten stattlichen Zahl
von Matrosen und Kaufleuten ihren Lebensunterhalt und bot
den Farmern einen sicheren Absatz für den sonst wertlosen
Uberschufs ihrer agrarischen Produkte.
So ermöglichte es wesentlich der Besitz von Nordamerika,
dafs der englisch-westindische Handel in jeder Beziehung dem
Mutterlande zugute kam. Die Zuckerinseln entsprachen durch
aus den Erwartungen, um derentwillen man Kolonien gegründet
hatte. Ihr Ein- und Ausfuhrhandel mit Grofsbritannien be
schäftigte 1787 eine Flotte von (589 Schiffen, deren Gehalt
14817(5 Tonnen und deren Besatzung 13936 Mann betrug.
Da alle diese Erfolge im letzten Grunde den Sklaven-
importen und ihrer Hände Arbeit zugeschrieben werden mufsten,
so kann man es verstehen, dafs von seiten der Gegner der
Abolition behauptet werden konnte, der ganzen westindischen
Plantagenwirtschaft und dem wichtigsten britischen Handels
zweige würde durch die Abolition der Todesstreich versetzt
werden. „All die Tausenden von Plantagenbesitzern, Reedern,
Schiffs bauern, Matrosen, Handwerkern, Witwen und Waisen,
deren Kapital in westindischen Plantagen angelegt war, würden
brotlos gemacht werden, wenn nicht mindestens 80—100 Mill.
Entschädigung gezahlt würden ! Würde Pitt plötzlich alle
Staatsschulden aufheben, so könnte diese Mafsregel nicht ver
derblicher wirken als die Abolition!“
Wir werden im folgenden sehen, dafs von solchen Be
fürchtungen , wie sie im Parlament oft ausgesprochen sind,
keine Rede sein konnte, dafs sie starke Übertreibungen ge
wisser einflufsreicher, interessierter Handelskreise waren. Es
wird sich auch zeigen, dafs die britischen Zuckerinseln gegen
ünde des 18. Jahrhunderts ihre Plantagen Wirtschaft nicht nur
ebne Sklavenimporte weiterzuführen imstande waren, sondern
dafs die von 1783—1806 von Grund auf veränderten Verhält
nisse unerbittlich die Einstellung des Negerhandels verlangten,
wollte England nicht diesen soeben geschilderten glänzenden
Kolonialhandel an das konkurrierende Ausland verlieren.
Forschungen XXV 1 (116). — Hochstetten
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