Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

Drittes  Kapitel.
Historischer  Bericht  über  die  Abolitionsbewegung. ­


Die  auf  die  Abschaffung  des  Sklavenhandels  sowie  der
Sklaverei  gerichteten  Bestrebungen  gehen  ungefähr  auf  denselben ­
  Ursprung  zurück.  Die  frühesten  Abolitions  versuche
fallen  in  dieselbe  Zeit  wie  der  Anfang  des  Negerhandels  selbst.
Schon  als  Las  Casas  die  Verwendung  von  Schwarzen  an  Stelle
der  schwächlichen  Indianer  in  den  westindischen  Grofsbetrieben
empfohlen  hatte,  machte  Ximenesf  der  Erzbischof  von  Toledo
und  spätere  Minister  Karls  V.,  auf  die  Gefahren  einer  zu
starken  Einwanderung  nichteuropäischer  Elemente  aufmerksam.
Als  die  Portugiesen  und  Spanier  immer  rücksichtsloser  Negersklaven ­
  raubten  und  über  das  Meer  verschleppten,  erklärte
Papst  Leo  X.:  „Alle  Sklaverei  sei  nicht  nur  mit  den  Grundsätzen ­
  der  christlichen  Religion,  sondern  auch  mit  der  Natur
gänzlich  unvereinbar.“  Diese  Erklärung  verhallte  wirkungslos, ­
  ebenso  wie  der  Erlafs  der  Königin  Elisabeth  von  England
gegen  die  britischen  Sklavenhändler:  „It  would  be  detestable,
and  call  down  the  vengeance  of  Heaven  upon  the  undertakers.“
(Blake,  S.  158.)
Seitdem  hat  in  England  bis  1787  keine  Regierung  mehr
etwas  zur  Unterdrückung  des  Negerhandels  getan;  die  meisten
haben  ihn  nachdrücklichst  gefördert.  Der  kapitalistische  Geschäftsgeist ­
  der  britischen  Nation  war  erwacht;  die  sittlichen
Bedenken  blieben  dem  gegenüber  lange  ohne  Wirkung.  Solange ­
  in  der  neuen  Welt  Spaniens  und  Portugals  Interessen
vorherrschten  und  der  britische  Handel  dorthin  noch  gering
war,  war  in  England  das  Mitleid  mit  den  unglücklichen
Schwarzen  gering.  Sobald  aber  infolge  der  Eroberung  von
Barbadoes  (1605)  und  von  Jamaika  (1652)  der  englische  Plantagenbau ­
  und  Kolonialhandel  sich  ausgebreitet  hatten,  wuchs
mit  dem  Sklavenhandel  freilich  auch  gleichzeitig  die  Zahl
seiner  Widersacher  rasch  an.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.