Drittes Kapitel.
Historischer Bericht über die Abolitionsbewegung.
Die auf die Abschaffung des Sklavenhandels sowie der
Sklaverei gerichteten Bestrebungen gehen ungefähr auf denselben
Ursprung zurück. Die frühesten Abolitions versuche
fallen in dieselbe Zeit wie der Anfang des Negerhandels selbst.
Schon als Las Casas die Verwendung von Schwarzen an Stelle
der schwächlichen Indianer in den westindischen Grofsbetrieben
empfohlen hatte, machte Ximenesf der Erzbischof von Toledo
und spätere Minister Karls V., auf die Gefahren einer zu
starken Einwanderung nichteuropäischer Elemente aufmerksam.
Als die Portugiesen und Spanier immer rücksichtsloser Negersklaven
raubten und über das Meer verschleppten, erklärte
Papst Leo X.: „Alle Sklaverei sei nicht nur mit den Grundsätzen
der christlichen Religion, sondern auch mit der Natur
gänzlich unvereinbar.“ Diese Erklärung verhallte wirkungslos,
ebenso wie der Erlafs der Königin Elisabeth von England
gegen die britischen Sklavenhändler: „It would be detestable,
and call down the vengeance of Heaven upon the undertakers.“
(Blake, S. 158.)
Seitdem hat in England bis 1787 keine Regierung mehr
etwas zur Unterdrückung des Negerhandels getan; die meisten
haben ihn nachdrücklichst gefördert. Der kapitalistische Geschäftsgeist
der britischen Nation war erwacht; die sittlichen
Bedenken blieben dem gegenüber lange ohne Wirkung. Solange
in der neuen Welt Spaniens und Portugals Interessen
vorherrschten und der britische Handel dorthin noch gering
war, war in England das Mitleid mit den unglücklichen
Schwarzen gering. Sobald aber infolge der Eroberung von
Barbadoes (1605) und von Jamaika (1652) der englische Plantagenbau
und Kolonialhandel sich ausgebreitet hatten, wuchs
mit dem Sklavenhandel freilich auch gleichzeitig die Zahl
seiner Widersacher rasch an.