Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

hätten  in  den  letzten  fünf  Jahren  mit  grossem  Schaden  gebaut.
Paumgartner  stand,  was  Silbererzeugung  betrifft,  immer  noch  an
der  Spitze.  Den  von  ihm  produzierten  7000  M  stehen  bei
den  Fuggern  nur  5000,  Haug-Neithart  4300  und  Herwart
950  M  gegenüber 1 ).  Die  Regierung,  die  die  Berechtigung  jener
Klagen  zugestehen  musste,  verstand  sich  zu  einigen  Milderungen,
blieb  aber  anderseits  bei  ihrer  früheren  Ansicht,  dass  die  Kaufleute
  nur  aus  Spekulation  ohne  Rücksicht  auf  den  Nutzen  oder
Schaden  des  Landes  sich  in  den  Bergbau  eingelassen  hätten.
Und  damit  hatte  sie  gewiss  recht.  Der  Kaufmann,  der  sich
nur  des  Gewinns  halber  in  die  Bergwerksunternehmungen
einliess,  kannte  die  moralische  Verpflichtung,  auch  in  schlechteren ­
  Zeiten  auszuharren,  nicht.  Es  wird  sich  wohl  nicht  bestreiten ­
  lassen,  dass  die  Augsburger,  besonders  die,  welche
wie  Paumgartner  sich  am  Bergbau  selbst  beteiligten,  die  Schuld
an  dessen  Verfall  trugen.  Das  Wohl  und  Wehe  des  Tiroler
Landes  lag  ihnen  nicht  am  Herzen.  Diese  Rücksichtslosigkeit
im  Gewinnen  gehörte  eben  mit  zum  Wesen  des  Kaufmanns
in  jenen  Tagen.  Darin  lag  für  ihn  das  Lockende  an  seinem
Beruf,  der  anderseits  Gefahren  und  Risiko  genug  in  sich  schloss 2 ).
Neben  dem  Hauptunternehmen  am  Falkenstein,  dessen
Entwicklung  wir  im  vorstehenden  genauer  verfolgt  haben,
beteiligte  sich  Hans  Paumgartner  noch  an  einer  Reihe  anderer
Orte  am  Bergbau.  Grössere  Anteile  besass  er  noch  zu  Klausen
und  bei  Sterzing,  wo  er  mit  Hans  Stöckl  der  Hauptgewerke
war 3 ).  Auch  hier  baute  er  mit  Unterstützung  der  Regierung.
Er  erhielt  für  jeden  Kübel  Erz,  den  er  von  Klausen  nach  Schwaz
führte,  36  kr  Hilfsgeld.  Ferdinand  stellt  ihm  und  Stöckl  das
Zeugnis  aus,  dass  sie  das  dortige  Bergwerk  in  Aufschwung  gebracht
hätten 4 ).  Paumgartner  erhielt  dann  1524  die  Erlaubnis,  am
Klausen  ein  eigenes  Hüttwerk  anzulegen 6 ).  Ferner  baute  er
*)  Missiv  an  Hof  (1548)  fol.  69.
2 )  Der  Ausspruch,  den  Jacob  Fugger  der  Reiche  einmal  tat:  er
wolle  gewinnen,  solange  er  könne  (Ehrenberg:  Zeitalter  d.  Fugger
I  S.  118),  war  auch  das  Losungswort  eines  Paumgartner  und  der  andern
Augsburger  Kaufleute.
3 )  Wolfstrigl-Wolfskron  a.  a.  O.  S.  242.  Klausen  am
Eisack,  unterhalb  Brixen  gelegen.
*)  Geschäft  von  Hof  (1523)  fol.  176.
5 )  Entbieten  u.  Befehl  (1524)  fol.  306.  Im  Jahre  1528  kaufte
            
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