Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV  1.

bösen  Erfahrungen,  welche  der  Nationalkonvent  1794  mit  der
Aufhebung  der  Sklaverei  und  des  Sklavenhandels  machte,
vermehrten  in  England  die  Abneigung  gegen  die  Abolition.
Die  Sessionen  seit  1793  bewiesen  den  traurigen  Wechsel
der  Gesinnungen.  Wilberforces  Anträge,  die  mit  pünktlicher
Regelmäfsigkeit  bis  1799  Jahr  für  Jahr  erneuert  wurden,  erfuhren ­
  im  Ober-  oder  im  Unterhause  meist  eine  glatte  Ablehnung. ­
  Es  wäre  ermüdend,  auf  die  weitschweifigen  Debatten
näher  einzugehen.  Über  die  Argumente  pro  und  contra  ist  in
den  folgenden  Kapiteln  berichtet.  Das  Wesentliche  war,  dafs
die  Abolitionisten  ihren  Zweck  in  keiner  Weise  erreichten,
und  dafs  der  Sklavenhandel  im  Verlaufe  des  Krieges  nicht
ab-,  sondern  infolge  der  glänzenden  militärischen  und  kommerziellen ­
  Erfolge  Grofsbritanniens  auf  dem  Weltmeere  beispiellos ­
  zunahm.  Statt  wie  bisher  42  000  wurde  von  1796  bis
nach  1800  die  ungeheure  Zahl  von  57  000  Negersklaven  jähr-  %
lieh  von  britischen  Schiffen  nach  Amerika  überwiegend  in
die  eroberten  Kolonien  transportiert!  Unter  dem  Ein  Hufs
mancher  Tagesschriftsteller  (z.  B.  Br.  Edwards)  fing  der
Menschenhandel  wieder  an,  in  England  populär  zu  werden
(Bandinell,  S.  105)!  Die  Anstrengungen  der  Abolitionisten
waren  machtlos  gegenüber  diesen  Ereignissen.  Nach  keiner
Richtung  hin  gelang  es  ihnen,  den  Handel  einzuschränken.
Gänzliche,  teilweise,  sofortige  oder  allmähliche  Abolition,  nichts
konnte  erreicht  werden.  In  der  Absicht,  wenigstens  die  soziale
Lage  der  Sklaven  auf  den  Inseln  selbst  zu  verbessern  —  in
Wirklichkeit  vielleicht,  um  den  Abolitionsbestrebungen  ein  für
allemal  die  Spitze  abzubrechen  und  sie  zum  Schweigen  zu
bringen  —  schlug  Mr.  Francis  im  April  1796  einige  Reformen
vor.  Es  sollten  Neger-Geschworenengerichte  (negro  juries)
eingerichtet  und  die  Sklavenhalter  zu  gröfserer  Rücksicht  hinsichtlich ­
  der  Behandlung  ihrer  Untergebenen  angehalten  werden.
Die  Bill  ging  verloren.  Das  Interesse  an  den  afrikanischen
Angelegenheiten  erkaltete  immer  mehr  und  war  gegen  Ende
des  Jahrhunderts  so  gering  geworden,  dafs  nicht  einmal  Dolbens
Regulationsakte  erneuert  wurde,  weil  die  zur  Beschluisfassung
erforderliche  Zahl  von  Abgeordneten  nicht  aufgebracht  werden
konnte.  Indessen  hatten  die  Händler  mit  diesem  Gesetze  so
gute  Erfahrungen  gemacht,  dafs  sie  die  Vorschriften  freiwillig
weiter  befolgten.  Nachdem  1799  auch  die  sogen.  Thornton
Bill  verloren  gegangen  war,  welche  den  Sklavenhandel  an  der
Sierra  Leoneküste  ausschliefsen  wollte,  um  nicht  die  friedliche ­
  Entwicklung  dieser  Kolonie  zu  gefährden,  hielt  es
die  Abolitionspartei,  von  der  Aussichtslosigkeit  ihrer  Bemühungen ­
  überzeugt,  für  geraten,  ihre  Anträge  vorläufig  einzustellen ­
  und  auf  bessere  Zeiten  zu  warten.  Dieser  Besehlufs
bedeutete  wohl  den  Tiefpunkt  der  Abolitionsbewegung.  Die
vier  Sessionen  von  1800—1803  verstrichen,  ohne  dafs  von
            
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