Contents : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV  1.

27

dieser  Seite  die  Abolition  im  Parlament  zur  Sprache  gebracht
wurde.
Unterdessen  hatten  sich  in  England  wichtige  politische
Veränderungen  vollzogen,  welche  die  ins  Stocken  geratene
Abolitionsbewegung  wieder  ins  Bollen  brachten.  Irland  war
mit  Großbritannien  vereinigt  worden,  und  im  Januar  1801
trat  das  Parlament  des  Vereinigten  Königreiches  zum  erstenmal
zusammen.  Die  Stimmen  der  irischen  Abgeordneten,  die  am
Sklavenhandel  kein  wirtschaftliches  Interesse  hatten,  kamen
den  Abolitionisten  zu  Hilfe.  Ferner  war  unterdessen  im  Jahre
1802  mit  Napoleon  der  Seefriede  von  Amiens  geschlossen
worden,  der  bekanntlich  Grofsbritannien  recht  ungünstige  Bedingungen, ­
  die  Rückgabe  sämtlicher  westindischen  Eroberungen
bis  auf  Trinidad,  auferlegte.  Der  Friede,  der  bald  darauf
(Frühjahr  1803)  wieder  ausbrechende  Krieg  und  die  für  England ­
  sich  anfänglich  recht  mifslich  gestaltende  Kriegslage  hatten
im  Verein  mit  anderen  Gründen  für  Britisch-Westindien  eine
gefährliche  Krisis  zur  Folge,  welche  die  Abolitionsfrage  wieder
in  ein  dringliches  Stadium  führte
Das  Abolitionskomitee  war  sich  dieser  günstigen  Wendung
wohl  bewufst  und  nahm  1804  seine  alte  Sache  wieder  auf.  Im
Unterhause  drang  Wilberforces  Antrag  durch,  im  Oberhause
ging  er  noch  einmal  verloren.  Die  vielen  neugewonnenen
Stimmen  ermutigten  zu  weiteren  Versuchen.  1805  wurde  der
Erfolg  nur  durch  zufällige  Abwesenheit  sonstiger  Befürworter
vereitelt,  und  in  die  Session  des  Jahres  180(3  trat  man  mit
der  begründeten  Hoffnung  auf  den  endgültigen  Sieg  ein.
Inzwischen  hatte  die  englische  Regierung,  durch  die  Abtretung ­
  und  Rückeroberung  verschiedener  fremder  Sklaveninseln ­
  veranlafst,  die  Initiative  zur  Abschaffung  des  Handels
übernommen.  Die  Frage  der  Kultivierung  der  eroberten,  noch
fast  gänzlich  unangebauten  Insel  Trinidad  gab  den  Anstofs
dazu.  Der  Unterstaatssekretär  M.  Canning  veranschlagte  im
Unterhause,  dal’s  250000  Sklaven  zu  diesem  Zweck  erforderlich ­
  wären,  deren  Import  dem  Negerhandel  eine  gewaltige  Ausdehnung ­
  geben  würde.  Deshalb  beantragte  er,  an  den  König
eine  Adresse  zu  schicken,  worin  letzterer  gebeten  wurde,  die
unkultivierten  Ländereien  auf  Trinidad  nur  unter  der  Bedingung ­
  zu  veräufsern,  dafs  sie  nicht  durch  frisch  importierte
Neger  bewirtschaftet  würden.  Gleichzeitig  versprach  Pitt  im
Namen  der  Regierung,  die  ganze  Frage  des  Negerhandels  in
naher  Zeit  anzuschneiden.
Zunächst  leitete  die  Regierung  die  Abolition  des  in
die  ausländischen  Kolonien  geführten  Sklavenhandels ­
  in  die  Wege.  Seine  Schädlichkeit  war  bereits  1792
erkannt  und  durch  die  politischen  Veränderungen  seit  1802
aufs  neue  unwiderleglich  dargetan.  Durch  eine  Kabinettsordre ­
  vom  15.  August  1804  verbot  der  König  die  Sklaven-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.