Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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fach  der:  Nordamerikas  Überflufs  an  Lebensrnitteln,  Holz  und
Vieh,  sowie  der  bequeme  Seeverkehr  nach  Westindien  ermöglichte ­
  es  den  britischen  Inseln,  ihr  Produktionsinteresse
einseitig  auf  die  Gewinnung  der  wertvolleren  tropischen  Erzeugnisse, ­
  insbesondere  des  Zuckers,  zu  richten,  während  die
spanischen  und  französischen  Inseln  vom  nordamerikanischen
Kontinent  ausgeschlossen  waren  und  nicht  so  kapitalistisch
wirtschaften  konnten,  weil  sie  aufser  den  Kolonialwaren  noch
Lebensmittel  anzubauen  gezwungen  waren.  Dieser  Umstand
hielt  die  Zuckerpreise  hoch,  schützte  die  britischen  Pflanzer
vor  der  ausländischen  Konkurrenz  und  bewahrte  der  britischen
Sklavenarbeit  ihre  Rentabilität.  Schon  Adam  Smith  berichtet
(IV,  7.  Kap.,  2.  Abt.),  „dafs  der  Fortschritt  und  Wohlstand
der  britischen  Inseln  keineswegs  dem  Fleifs  der  Kolonisten
oder  dem  Ertrag  des  Bodens  zu  verdanken  sei,  wie  auf  den
französischen  Inseln,  sondern  zumeist  Englands  grofsem  Reichtum ­
  aus  andern  Ländern,  von  dem  ein  Teil  auf  diese  Inseln
überflösse.  An  sich  sei  der  Betrieb  der  französischen  Plantagen ­
  dem  der  britischen  überlegen.“  Ebenso  urteilt  Chalmers
(8.  144/5):  „Britisch-Westindien  habe  seine  Anregung,  seine
Kapitalien  und  Arbeitskräfte  stets  aus  England  empfangen,
sei  dafür  auch  mit  50  Mill.  £  verschuldet,  während  Französisch-Westindien ­
  alles  sich  selbst  allmählich  durch  Sparsamkeit ­
  erworben  hätte.“
Der  Aufstand  der  nordamerikanischen  Kolonien  stürzte
die  britischen  Sklaven  insein  in  jene  Krisis,  von  der  sie  sich
im  Grunde  genommen  bis  zum  heutigen  Tage  nicht  wieder
erholt  haben.
Bereits  zu  Anfang  des  amerikanischen  Unabhängigkeitskrieges ­
  sah  sich  die  britische  Regierung  genötigt,  ihren  treugebliebenen ­
  westindischen  Kolonien  jeden  Verkehr  mit  den
Rebellen  zu  untersagen.  Wegen  dieses  Verbotes  petitionierte
die  Assembly  of  Jamaica  im  Jahre  1775  beim  König  und  erklärte, ­
  das  „the  most  dreadful  calamities  .  .  .  and  the  inevitable
destruction  of  the  small  sugar  colonies  must  follow  the  present
unnatural  contest  with  the  Americans“  (Southey  II,  S.  422  ff.).
Eine  andere  Petition  an  das  Unterhaus  besagte,  „that  the
sugar  plantations  were  necessarily  dependant  upon  external
support,  and  that  the  profits  ...  in  a  great  measure  depended
on  a  free  intercourse  with  North  America“  (ebendort).  Die
Gesuche  hatten  keinen  Erfolg;  der  Handel  blieb  verboten.
„In  consequence  of  the  war  great  distress  was  felt  in  the
islands“  (Southey  II,  425;  auf  Bridges  II,  167).
Als  die  Vereinigten  Staaten  1783  endgültig  aus  dem
britischen  Staatsverbande  herausgetreten  waren,  stand  England
vor  der  wichtigen  Entscheidung,  wie  es  in  Zukunft  seine
Schiffahrtsgesetzgebung  in  Westindien  einzurichten  hätte.  Sollte
es,  wie  früher,  die  nordamerikanischen  Schiffe  in  seinen  west-
            
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