Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV  1.

liefsen  sich  die  englischen  Übergriffe  gefallen.  Nicht  so  ruhig
nahm  die  französische  Regierung  die  englischen  Gewalttaten
hin.  Empört  über  Nordamerikas  Feigheit  und  Willensschwäche,
beging  sie  die  Unklugheit  (Verordnung  von  1796/97,  Kiefselbach,
  S.  59),  „neutrale  Schiffe  genau  so  zu  behandeln,  wie
jene  es  sich  von  den  Engländern  gefallen  liefsen“.  Amerikanische ­
  Schiffe  wurden  also  fortan  von  den  französischen
Kreuzern  ebenso  mifshandelt  wie  von  den  englischen.  Auf
diese  Weise  geriet  Frankreich,  da  die  Vereinigten  Staaten  ihm
gegenüber  Vergeltung  wagten,  seit  1796  in  einen  tatsächlichen,
wenn  auch  unerklärten  Kriegszustand  mit  Nordamerika  (Roloff,
S.  21  und  S.  61),  in  welchem  es  natürlich  den  kürzeren  zog.
Seiner  westindischen  Handelsflotte,  soweit  sie  sich  vor  den
englischen  Kriegsschiffen  gerettet  hatte,  wurde  von  den  Amerikanern ­
  der  Rest  gegeben.
Durch  diese  und  eigene  glänzende  Waffentaten  hatte  sich
Grofsbritannien  seit  1795  die  unbestrittene  Herrschaft  auf  dem
Atlantischen  Ozean  errungen.  Weit  und  breit  hatte  es  keine
Rivalen  zu  fürchten.  1794  waren  die  meisten  französischen
Kolonien,  soweit  sie  sich  nicht  wie  Domingo  und  Guadeloupe
unter  farbigen  Diktatoren  selbständig  gemacht  hatten,  erobert.
In  demselben  Jahre  wurde  bei  Brest  eine  französische  Flotte
von  der  englischen  vernichtet.  Die  drei  holländischen  Guyana-Kolonien
  Denierara,  Essequibo  und  Berbice  besetzte  England
1796,  das  spanische  Trinidad  1797,  Surinam  1798.  Vorher
schlug  es  die  spanische  Flotte  bei  St.  Vincent,  die  holländische
bei  Camperdown  und  wies  alle  feindlichen  Rückeroberungsversuche ­
  zurück.  Nach  Nelsons  Sieg  bei  Abukir  (1799)  war
wirklich  die  Zeit  gekommen,  „wo  es  leichter  war,  eine  Bohne
auf  einem  Heuschober,  als  ein  französisches  Schiff  auf  dem
Ozean  zu  Anden“.
England  besafs  in  den  letzten  Jahren  des  sich  neigenden
Jahrhunderts  ein  Seemachts-  und  Kolonialmonopol,  wie  es  vor
ihm  kein  Staat  besessen  ,  hatte.  Als  Besitzer  der  besten  Kolonien ­
  Westindiens  war  es  bis  1799  der  erste  und,  von  den  Vereinigten ­
  Staaten  abgesehen,  auch  der  einzige  Lieferant  von
Kolonialwaren  nach  Europa.  Dementsprechend  nahm  sein
Handel  und  seine  Rhederei  nach  Inhalt  und  Umfang  einen
Aufschwung,  der  seinesgleichen  sucht  in  der  Geschichte.
Z.  B.  stieg  in  den  Jahren  von  1791,  1793,  1795  und  1798  der
Wert  der  von  ihm  im  Zwischenhandel  abgesetzten  Waren  von
5199U37  £  über  6568348  £  auf  KJ023504  und  schliefslich
auf  11  948234  £  (Kiefselbach,  S.  67).  England  war  der  Frachtführer ­
  des  gröfsten  Teiles  Europas  geworden.  —
Die  entgegengesetzte  Entwicklung  hatte  der  französische
Kolonialhandel  genommen.  Die  Importe  aus  den  französischen
Sklaveninseln  in  das  Mutterland,  deren  Wert  1787  fast  2I8V2
Mill.  fr.  betragen  hatte,  waren  um  1795  fast  gänzlich  ver-
            
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