Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

30  Zweites  Kapitel.  Zeitalter  des  Schatzhandels  in  Griechenland.
Hortes  verwenden  konnte.  Dies  Hortbilden  hatte,  wie  heute  noch
vielfach  im  Orient,  eine  große  Bedeutung,  wobei  die  aufgesammelten ­
  Schätze  keineswegs  in  erster  Reihe  als  Tauschmittel  gedacht
waren.  Macht  über  Schätze  zu  besitzen,  war  damals  ebenso  erstrebenswert ­
  als  Macht  über  Menschen,  ganz  abgesehen  davon,
daß  dadurch  auch  die  Konsumgüter  des  gemeinen  Lebens  vermehrt ­
  wurden.  Zu  diesen  Hortgegenständen  gehörten:  Gefäße,
Waffen,  Gürtel,  Spangen  usw.  Da  nicht  jede  Gegend  die  für  diese
Gegenstände  nötigen  Rohprodukte  hervorbrachte,  nicht  jede  die
entsprechenden  Kunsthandwerker  besaß,  entwickelte  sich  auf  diesem
Gebiete  zu  allererst  die  internationale  Arbeitsteilung.  Die  orientalischen ­
  Länder,  deren  Produktion  von  Knnstgegenständen  damals
schon  weit  vorgeschritten  war,  fanden  so  für  dieselben  leichten
Absatz  (S.  20).  Solange  die  Griechen  nicht  allzu  anspruchsvoll ­
  waren,  dürften  die  Orientalen  durch  Verkauf  von  Ausschußware ­
  besonders  gute  Geschäfte  gemacht  haben.  Die  Bedeutung,
welche  solche  Schätze  für  die  Griechen  jener  Zeit  hatten,  kann  man
nicht  hoch  genug  anschlagen,  die  Schilderungen  bei  Homer  sind
ein  deutliches  Zeugnis  dafür.  Um  der  Schätze  willen  unternahm
man  Raubfahrten,  um  der  Schätze  willen  setzte  man  sich  Gefahren
aller  Art  aus,  um  ihretwillen  ließ  man  den  meist  gehaßten  fremdländischen ­
  Kaufmann  in  den  Bereich  der  Gemeinde  kommen  und
behandelte  ihn  nur  gerade  so  schlecht,  daß  er  die  Lust  am  Wiederkommen ­
  nicht  ganz  verlor.  Durch  die  Handelsfahrten  der  Asiaten,
wobei  auch  der  Austausch  von  Geschenken  zwischen  den  Fürsten
und  Adligen  verschiedener  Länder  mitgewirkt  haben  mag,  wurde  die
Produktion  der  einzelnen  Völker  aneinander  angeglichen,  da  die
fremden  Erzeugnisse,  sobald  es  ging,  nachgeahmt  wurden.  Als
Vermittler  wirkten  zuerst  die  nicht-griechischen  Völker  Kleinasiens,
Syriens  und  der  Inseln.  Sie  bildeten  die  Brücke  zwischen
Griechenland,  Ägypten  und  Babylon.  Auf  ägyptischen  Bildern ­
  finden  wir  Bewohner  des  Landes  Kefto,  die  prächtige
silberne  und  goldene  Gefäße  bringen,  die  den  mykenischen  nahe
verwandt  sind,  aber  auch  solchen,  die  wir  aus  älteren  Funden  auf
Kreta  kennen.  Dies  seefahrende  Volk  scheint  keine  unbedeutende
Rolle  in  dem  geschilderten  Kulturkreis  gespielt  zu  haben,  ohne
daß  sein  Wohnsitz  bis  jetzt  sicher  festgestellt  wäre,  früher  identifizierte ­
  man  es  mit  den  Phönikern,  manches  spricht  aber  dafür,
daß  es  westlicher  gewohnt  habe,  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  auf
Kreta.  Reben  diesem  Volke  waren  es  vor  allem  die  Phöniker,
            
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