Full text : Das Lebenswerk von Karl Marx

„Entwicklungstendenzen",  die  man  gelegentlich  auch  als  Gesetze  anspricht. ­
  Sie  tragen  nun  aber  ganz  und  gar  nicht  den  Charakter
eines  „Gesetzes",  wie  die  Naturwissenschaft  ein  Gesetz  versteht.  Vor
allem  deshalb  nicht,  weil  sie  gar  keine  allgemeine  Formulierung  für
beliebig  sich  einstellende  Einzelfälle  sind,  sondern  nur  den  wahrscheinlichen ­
  Verlauf  eines  einzigen  Vorgangs  voraussagen  wollen.
Das  „Konzentrationsgcsetz"  hat  immer  nur  Geltung  für  ein  einziges
historisches  Milieu:  eine  zeitlich  eng  umgrenzte  Epoche  des  Kapitalismus ­
  in  den  modernen  Staaten  und  kann  selbst  in  diesem  Milieu
etwa  durch  einen  bewußten  Eingriff  der  Staatsgewalt  oder  durch
die  Veränderung  des  Kräfteverhältnisses  (der  Willensintensität)  der
beteiligten  Personen  in  jedem  Augenblicke  aus  der  Welt  geschafft
werden.  Was  also  soll  die  Gleichstellung  derartiger  „Entwicklungstendenzen" ­
  (deren  Ermittlung  nebenbei  bemerkt  sehr  nützlich  sein  kann)
mit  den  „ewigen  ehernen  Gesetzen",  die  die  Naturforscher  für  den
ewig  gleichen  Ablauf  des  Naturgeschehens  formulieren?!
IV.
So  ist  es  kein  Wunder,  wenn  schließlich  sich  die  Geschichte  der
einen  und  der  andern  Wissenschaft  als  etwas  ebenfalls  grundverschiedenes ­
  darstellt.
Die  Geschichte  der  modernen  Naturforschung  —  der  modernen,
das  heißt  also  derjenigen,  die  auf  den  Prinzipien  der  Quantifizierung
fußt  —  erscheint  uns  im  wesentlichen  als  eine  immer  größer  werdende
Sammlung  von  Einzelwissen.  Am  Ende  einer  Generation  ist  ein
bestimmtes  Maß  gesicherten  Wissens  vorhanden,  das  wie  Korn  in
der  Kornkammer  aufgeschüttet  liegt  und  zu  dem  nun  '  die  folgende
Generation  ihren  Teil  hinzuträgt.  Man  ist  stolz,  von  einer  „fortschreitenden ­
  Erkenntnis"  zu  sprechen  und  hat  die  Vorstellung  (auch
            
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