Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin Respondek, 
von Amerika aufgelegt werden. Hierzu ist zu bemerken, daß Rußland 
jeder Zinsfuß recht wäre. Frankreich könnte ohne Schaden für seinen 
eigenen Kredit einen 5 proz. Anleihe-Typ wohl ertragen, da sein Landes 
zinsfuß damals gerade diesen Satz erreichte. Aber England konnte 
keine Konzessionen für einen solchen Satz einräuraen. Erst im November 
1914 emittierte das Schatzamt einen 3% % Anleihe-Typ und mußte 
bei einem so hohen Satze die Entwertung seiner alten Anleihen befürchten. 
Das Anleiheprojekt bot aber noch weitere Schwierigkeiten. Außer in 
der Normierung des Zinssatzes lag das zweite und vielleicht wichtigste 
Hindernis in der Währungsfrage. Die drei Staaten hätten das Problem 
eines stabilen Geldwertes zu lösen, einer Währungs-Einheit, in der ein 
für alle Beteiligten verlustloser Zins- und Amortisationsdienst bewirkt 
werden kann. Nun ist der Rubel nicht nur im Kriege, sondern auch in 
Friedenszeiten den schärfsten Schwankungen unterworfen und auch 
der Franken und das Pfund Sterling können früher oder später aus 
ihrem Beharrungszustande merklich heraustreten. Dann hängt auch 
eine Universal-Staatsanleihe von den allgemein gültigen Gesetzen ab, 
denen jede Anleihe unterworfen ist. Sie hängt ab von dem Vertrauen, 
das der Weltmarkt in die Staats-Einheit — Frankreich, England, 
Rußland — setzt oder setzen will. Rußland, dessen Kreditwürdigkeit 
im eigenen Lande höchst gering eingeschätzt wird, paßte zu der Staats 
einheit wenig, namentlich nicht dazu, um in Verbindung mit zwei ange 
sehenen Kapitalisten gemeinsame Finanztransaktionen zu vorteilhaften 
Bedingungen zu unternehmen. Auf die Besprechung in der Minister- 
Konferenz folgte die Tat nicht 1 ). 
Die Frage der Valutaregulierung wurde für Frankreich in der zweiten 
Hälfte des Jahres 1915 dringender. Alle dargebrachten Opfer, wie sie 
vorstehend aufgeführt wurden, waren von wenig Erfolg begleitet. Als 
dann im Juni die Entwicklung des Franken einen fast krisenhaften Cha 
rakter annahm, wurde diesmal sicherlich von Frankreich aus der Plan einer 
größeren Auslands-Anleihe im Verein mit den Alliierten aufgenommen und 
zur erneuten Diskussion gestellt. Im August setzten die Besprechungen 
zwischen den beiden Finanzministern ein. Diesmal wurde Rußland 
ausgeschlossen. Es wurde bald eine Einigung erzielt. Denn die harte 
Notwendigkeit, schnell zu handeln, ließ keinen Raum für schöne Worte, 
durch Welche die Opfer nicht geschmälert und Schäden nicht geheilt werden 
konnten. Weiterhin standen sich auch jetzt zwei fast gleiche Parteien 
gegenüber. England sah seinen Sterling an der New Yorker Börse 
unter der Parilinie und konnte trotz eines großen Aufwandes an 
Gold, Effekten und Kreditaufnahmen eine anhaltende Steigerung und 
Festigung nicht erreichen. Schließlich war der englische Kredit nach 
einem halben Jahre im eigenen Lande gesunken — die zweite englische 
Kriegsanleihe gewährte 4% % — und nicht allzuweit vom französischen 
entfernt. Beide Staaten haben bei der Bekämpfung der Valuta-Ent- 
wertung schon zusammen gewirkt, vereint Leid und Freud in diesem 
b Vgl. auch hierüber die Ausführung Lansburghs a. a. O. 1915, I, S. 187.
	        
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